Geisterstadt Jerusalem: Arabische Händler leiden unter Kriegsfolgen und Ramadan
Jerusalems Altstadt verwaist: Händler leiden unter Krieg

Geisterhafte Stille in Jerusalems historischem Viertel

Normalerweise pulsiert das Leben in der Altstadt von Jerusalem, einem Ort, der laut christlicher Überlieferung von Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung durchschritten wurde. Arabische Händler werben hier um Touristen, während orthodoxe Juden zur Klagemauer eilen. Doch seit dem Krieg gegen den Iran hat sich das Bild dramatisch gewandelt, insbesondere im arabischen Teil, der nun einer Geisterstadt gleicht.

Verwaiste Gassen und geschlossene Läden

Lebensmittelhändler Ferid (40) berichtet: „Nur Geschäfte wie unsere, die Nahrungsmittel verkaufen, dürfen geöffnet bleiben. Aber Kunden bleiben aus, und unsere Waren verkommen.“ Alle anderen Läden, einschließlich Süßwarengeschäften, mussten aufgrund der Ausnahmesituation schließen. Verstöße werden mit Strafen von 5000 Schekel (etwa 1400 Euro) geahndet. Die Händler hatten große Mengen an Süßigkeiten für das Fastenbrechen während des Ramadans eingekauft und sitzen nun auf diesen Vorräten fest. „Allein deshalb hoffen wir, dass der Krieg gegen den Iran bald endet“, sagt Ferid.

Politische Spannungen und Angst vor Repressionen

Laut Umfragen unterstützen 93 Prozent der jüdischen Israelis den Krieg gegen den Iran, während nur 23 Prozent der arabischen Israelis dafür sind. In der Altstadt von Jerusalem, wo viele Araber einen jordanischen Pass besitzen, ist die Zustimmung noch geringer. Viele Bewohner scheuen politische Äußerungen aus Furcht vor der israelischen Polizei. Ein Vater eines kleinen Mädchens erklärt: „Wenn ich etwas Falsches sage, könnte ich Probleme bekommen. Wir dürfen auch nichts Unangemessenes auf Instagram oder Facebook posten.“ Nach den Terroranschlägen vom 7. Oktober 2023 wurden in Israel die Gesetze gegen Terrorverherrlichung verschärft, sodass bereits das „Liken“ extremistischer Inhalte zu Anklagen führen kann.

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Religiöse Einschränkungen und wirtschaftliche Not

Händler wie Yunus (60) weichen auf religiöse Antworten aus: „Das weiß nur Allah“, sagt er auf die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Krieges. Ibrahim (60) sitzt mit Freunden vor seinem verschlossenen Laden in einer verlassenen Gasse. Viele Familien betreiben diese Geschäfte seit Jahrhunderten. „No money, no honey“, resümiert er traurig auf Englisch, was so viel bedeutet wie: Ohne Einkommen verliert das Leben seinen Reiz. „Auch unsere Al-Quds-Moschee ist geschlossen, und das mitten im Ramadan“, fügt er hinzu. Das Fasten seit Sonnenaufgang trübt die Stimmung der Männer an diesem Nachmittag zusätzlich.

Sicherheitsmaßnahmen und Hoffnungslosigkeit

Das israelische Heimatschutz-Kommando verbietet derzeit Ansammlungen von mehr als 50 Personen, um der Bedrohung durch iranische Raketen zu begegnen. Selbst die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, die sonst Tausende Gläubige anzieht, ist davon betroffen. Touristenführer Saed (44) steht rauchend vor dem österreichischen Pilgerhospiz an der Via Dolorosa, ohne Arbeit. Auf die Frage nach seiner Hoffnung auf ein Kriegsende antwortet er gleichgültig: „Ich hoffe auf gar nichts. Die Zukunft steht bereits fest, egal was wir tun.“

Ein Funken Normalität am Stadtrand

Vor dem arabisch geprägten Damaskustor der Altstadt dürfen Läden im Gegensatz zu den engen Innenstadtgassen öffnen. Hier verkauft Feras (17) Spielzeug, da das Beschenken von Kindern zum Ende der Fastenzeit (dem „Zuckerfest“) Tradition ist. Feras spricht fließend Hebräisch und äußert: „In zehn Tagen endet der Ramadan, und ich hoffe, der Krieg dann auch.“ Ironischerweise bietet er kleine Spielzeug-Raketenwerfer aus Asien an, während ihn echte iranische Langstreckenraketen bedrohen.

Die Situation in Jerusalems Altstadt verdeutlicht die tiefgreifenden Auswirkungen des Krieges auf das tägliche Leben, die Wirtschaft und die religiösen Praktiken der arabischen Gemeinschaft. Während die Straßen verwaist sind, hoffen die Bewohner auf ein baldiges Ende der Konflikte, um wieder zu Normalität und Wohlstand zurückzukehren.

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