Die französische Rechtsnationale Marine Le Pen hat trotz ihrer jüngsten Verurteilung ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027 angekündigt. Die 57-Jährige sagte im Sender TF1, sie werde gegen das Urteil Revision einlegen und als Kandidatin antreten.
Hintergrund der Verurteilung
Le Pen war Ende Juni 2025 wegen Veruntreuung von EU-Geldern zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden, davon zwei Jahre zur Bewährung. Zudem wurde ihr ein fünfjähriges Passivwahlrecht entzogen, was eigentlich eine Kandidatur 2027 unmöglich macht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Revision als strategischer Schritt
Mit der Revision hofft Le Pen, das Urteil zu kippen oder zumindest die Sperrfrist auszusetzen. „Ich werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um mein Recht zu kandidieren zu verteidigen“, betonte sie. Ihre Anwälte haben bereits angekündigt, dass sie vor das oberste französische Gericht ziehen werden.
Politische Reaktionen
Die Ankündigung sorgt in Frankreich für Kontroversen. Während ihre Partei Rassemblement National (RN) geschlossen hinter ihr steht, kritisieren politische Gegner den Schritt scharf. Premierminister Gabriel Attal erklärte, niemand stehe über dem Gesetz. Auch Präsident Emmanuel Macron äußerte sich zurückhaltend, betonte aber die Unabhängigkeit der Justiz.
Le Pen selbst sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz. „Dieses Urteil ist ein Skandal und ein Angriff auf die Demokratie“, so Le Pen. Sie wolle weiter für die französischen Bürger kämpfen.
Auswirkungen auf das politische Klima
Die Kandidatur Le Pens könnte die politische Landschaft Frankreichs weiter polarisieren. Umfragen zufolge liegt sie in der Wählergunst bei rund 30 Prozent, knapp hinter Macron. Sollte sie tatsächlich antreten dürfen, wäre ein zweiter Wahlgang gegen den Amtsinhaber wahrscheinlich.
Die Entscheidung des Gerichts über die Revision wird mit Spannung erwartet. Bis dahin bleibt Le Pens Kandidatur formal eine Ankündigung – aber eine, die bereits jetzt die politische Debatte bestimmt.



