Offener Brief an Weidel, Baerbock und Reichinnek: Martenstein hinterfragt Nahost-Positionen
Harald Martenstein (72), der neue tägliche Kolumnist der BILD, richtet in seiner aktuellen Kolumne einen offenen Brief an drei prominente Politikerinnen: Alice Weidel, Annalena Baerbock und Heidi Reichinnek. Der erfahrene Journalist und Politikbeobachter zeigt sich verwirrt über eine bemerkenswerte Übereinstimmung in der Nahost-Politik.
Drei Frauen, eine Meinung: Die Iran-Israel-Debatte
Martenstein stellt fest, dass die drei Politikerinnen trotz ihrer unterschiedlichen politischen Hintergründe und Parteizugehörigkeiten in der Frage des Nahost-Krieges mit nur geringen Nuancen dieselbe Position vertreten. Sie verurteilen den Krieg gegen den Iran, den Martenstein als Hauptmacht des Islamismus bezeichnet, und nehmen dabei eine klare Haltung zum Völkerrecht ein.
Der Kolumnist formuliert seine eigene Sichtweise deutlich: „Ein Hauptziel des Iran ist es, Atomwaffen in die Hand zu bekommen und Israel endlich zu vernichten. Das Hauptziel Israels ist es, nicht vernichtet zu werden. Das Hauptziel der US-Regierung ist Ruhm und Ehre für Donald Trump.“
Völkerrecht versus Selbstverteidigung: Eine grundsätzliche Debatte
Martenstein kritisiert die Position der drei Politikerinnen, die seiner Darstellung nach sagen: „Das Völkerrecht verbiete es, Israel durch einen Angriff vor der Vernichtung zu schützen.“ Er fasst diese Haltung pointiert zusammen: „Mit anderen Worten: Damit das Völkerrecht siegt, müssen die Israelis womöglich sterben, so schade es im Einzelfall auch sein mag.“
Der Autor hinterfragt grundsätzlich die Annahme des Völkerrechts, dass Regierungen ihr Volk repräsentieren. „Leider ist oft das Gegenteil der Fall“, schreibt Martenstein und verweist darauf, dass Regierungen ihr eigenes Volk ermorden könnten, wie er es im Iran sieht.
Historische Vergleiche und praktische Konsequenzen
Martenstein stellt die Frage nach der praktischen Umsetzung der geforderten Position: „Nur das Volk selbst darf so ein Regime stürzen.“ Doch er erinnert daran: „Deutschland ist 1945 von außen befreit worden, oder?“
Besonders kritisch sieht der Kolumnist die Konsequenzen dieser Haltung für Israel: „Ob der Iran wirklich Israel vernichtet, wie angekündigt, steht natürlich erst dann fest und ist wissenschaftlich erwiesen, nachdem er es getan hat. Die Juden müssten also erst einmal tot sein, bevor sie ihre Mörder entwaffnen. Eine hohe Hürde.“
Martenstein schließt mit der Feststellung, dass die drei Politikerinnen offenbar bereit sind, so lange abzuwarten, bis es möglicherweise zu spät ist – unter dem Motto „Völkerrecht first“. Seine Kolumne endet mit den charakteristischen „Mit freundlichen Grüßen, Harald Martenstein“.
Die Kolumne bietet keine einfachen Antworten, sondern stellt grundsätzliche Fragen zur Ethik internationaler Politik, zum Verhältnis von Völkerrecht und Selbstverteidigung sowie zur Verantwortung politischer Akteure in existenziellen Konfliktsituationen. Martensteins scharfe Analyse fordert zum Nachdenken über die Konsequenzen politischer Positionen auf, besonders wenn es um Leben und Tod ganzer Nationen geht.



