Mojtaba Khamenei bleibt der Beerdigung seines Vaters fern – Rätsel um den neuen Führer
Die Trauerfeier für Irans verstorbenen Revolutionsführer Ali Khamenei war von einer auffälligen Abwesenheit geprägt: Sein designierter Nachfolger und Sohn Mojtaba Khamenei nahm nicht an der Zeremonie teil. Während Hunderttausende Trauernde in Teheran dem langjährigen Führer die letzte Ehre erwiesen, blieb der 56-Jährige unsichtbar. Die Frage nach dem Verbleib des neuen obersten Führers sorgt im ganzen Land für Spekulationen.
Pompöse Zeremonie ohne den neuen Imam
Die Beisetzung Ali Khameneis am 10. Juli 2026 glich einem Staatsakt der Superlative. Staatsmedien zeigten Bilder von weinenden Anhängern, die den Sarg durch die Straßen Teherans trugen. Politiker aus dem In- und Ausland, darunter der iranische Präsident Massud Peseschkian, kondolierten. Doch die Abwesenheit Mojtabas, der nach dem Tod seines Vaters offiziell die Macht übernommen hat, überschattete die Feierlichkeiten.
„Selbst bei der pompösen Bestattungszeremonie für seinen Vater und Vorgänger Ali Khamenei fehlte Irans Revolutionsführer Mojtaba“, berichtete SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter. Die offizielle Begründung aus dem Umfeld des neuen Führers lautete, Mojtaba sei „zu erschüttert“ und „in tiefer Trauer“ – eine Erklärung, die viele Iraner jedoch nicht überzeugt.
Gerüchte über Gesundheitszustand und Machtkämpfe
Im ganzen Land kursieren Gerüchte: Einige behaupten, Mojtaba leide an einer schweren Erkrankung und sei nicht reisefähig. Andere spekulieren über interne Machtkämpfe im Kreis der Geistlichen, die seine Nachfolge infrage stellen könnten. „Die Abwesenheit des neuen Führers bei der Beerdigung seines Vaters ist ein starkes Signal – entweder ist er wirklich krank, oder es gibt ernste Probleme in der Führungsspitze“, zitierte Reuter einen anonymen Diplomaten in Teheran.
Bislang hat sich Mojtaba Khamenei nicht öffentlich geäußert. Auch sein Büro veröffentlichte keine Stellungnahme. Die Unsicherheit wächst, während das Land mit wirtschaftlichen Problemen und innenpolitischen Spannungen kämpft.
Historische Parallelen und Zukunft des Irans
Die Situation erinnert an die Zeit nach dem Tod von Ayatollah Ruhollah Chomeini 1989, als Ali Khamenei überraschend zum Führer ernannt wurde. Damals gab es ebenfalls Gerüchte über Intrigen. Heute fragen sich Beobachter, ob Mojtaba Khamenei die Macht tatsächlich ausüben kann oder ob eine kollektive Führung das Land übernimmt.
„Die Abwesenheit Mojtabas könnte bedeuten, dass die Machtübergabe nicht so reibungslos verläuft wie erhofft“, meint Reuter. „Der verstörte Blick des Präsidenten Peseschkian während der Zeremonie spricht Bände.“ Die kommenden Tage werden zeigen, ob der verschwundene Imam zurückkehrt oder ob Iran vor einer Führungskrise steht.



