Beim Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump bereits bei seiner Ankunft für Spannungen gesorgt. „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“, sagte Trump in der türkischen Hauptstadt und erneuerte seine Vorwürfe, dass Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich die USA im Iran-Krieg im Stich gelassen hätten. Auch im Streit um Grönland, das die USA von Dänemark übernehmen wollen, legte Trump nach.
Merz wirbt für „Geist von Ankara“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hofft derweil auf einen konstruktiven Gipfelverlauf. „Von diesem Gipfel soll die Botschaft ausgehen: Wir bauen eine europäischere Nato, damit die Nato transatlantisch bleiben kann“, sagte Merz vor dem Abflug nach Ankara. Er wünsche sich, dass es gemeinsam gelinge, einen „Geist von Ankara“ zu wecken. Als positives Beispiel nannte Merz die Absicht Kanadas, bis zu zwölf U-Boote des Kieler Marineschiffbauers TKMS zu kaufen. Dies sei „einer der größten, wenn nicht der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.
Die 32 Bündnispartner beraten bis Mittwoch darüber, wie die Lasten in der Nato stärker auf die europäischen Alliierten und Kanada verlagert werden können. Die USA hatten angekündigt, Truppen aus Deutschland abzuziehen und weniger Streitkräfte für Nato-Planungen vorzuhalten. Ein wichtiges Thema ist auch die Unterstützung für die Ukraine, die sich im fünften Jahr gegen Russland verteidigt. Trump will sich am Rande des Gipfels mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen.
Erdogan empfängt Trump mit Pomp
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ehrte Trump mit einem spektakulären Empfang. Er empfing ihn persönlich am Flughafen, später gab es am Präsidentenpalast eine pompöse Begrüßung mit Reiterstaffel, Kanonenschüssen und einem Überflug von Luftwaffenjets. „Wir sind gute Freunde“, sagte Trump und lobte die Türkei für ihre Loyalität. Erdogan hofft auf ein konkretes Entgegenkommen Trumps: Die Türkei will US-Kampfjets vom Typ F-35 kaufen, was bislang per US-Gesetz aus Sicherheitsbedenken ausgeschlossen ist. Trump zeigte sich offen: Ein solches Geschäft sei „sicher etwas, das wir in Erwägung ziehen“, sagte er, ohne eine konkrete Zusage zu machen.
Trump droht mit Truppenabzug aus Europa
Einmal mehr holte Trump gegen Europa aus. „Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen“, drohte er hypothetisch. Europa sei heute ein ganz anderer Ort als noch vor 20 Jahren. Wenn die Europäer bei ihrer Einwanderungs- und Energiepolitik nicht vorsichtig seien, werde es „kein Europa mehr geben“. Trump bekräftigte zudem, dass Grönland aus seiner Sicht von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden sollte. Öffentliche Drohungen unterließ er jedoch.
Selenskyj bietet Drohnen-Know-how an
Der ukrainische Präsident Selenskyj rief die Nato auf einem Rüstungsforum am Rande des Gipfels dazu auf, sich an einer gemeinsamen Produktion unbemannter Systeme zu beteiligen. „Die Nato mit der Ukraine ist das Bündnis der Zukunft“, sagte er. Das Thema eines Nato-Beitritts der Ukraine ist unter den Alliierten höchst umstritten; Trump hatte einen Beitritt mehrmals ausgeschlossen. Angesichts der anhaltenden russischen Raketenangriffe forderte Selenskyj erneut größere Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen.
Nato investiert Milliarden in Drohnenabwehr
Die Nato bereitet sich auf eine massive Ausweitung der Kriegsführung mit Drohnen vor. Verbündete wollen laut Nato-Generalsekretär Mark Rutte in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren. Drohnen seien zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden, sagte Rutte. Man sehe das in der Ukraine, im Nahen Osten und im Bündnisgebiet.



