Beim Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump die Stimmung im Bündnis als „unglaubliche Liebe“ beschrieben und zugleich neue Angriffe auf den Iran angekündigt. „Es war sehr viel Liebe in dem Raum“, sagte Trump zum Abschluss des Gipfels. Zuvor hatte er das Friedensabkommen mit dem Iran für beendet erklärt und eine Waffenruhe aufgekündigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Nato-Generalsekretär Mark Rutte zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf des Treffens und betonten Trumps Engagement für die Allianz.
Trump kündigt neue Iran-Angriffe an
In seiner Pressekonferenz, die mit rund drei Stunden Verspätung begann, erklärte Trump, dass es am Mittwoch möglicherweise Angriffe auf den Iran geben werde. Zuvor hatte er diese noch als sicher bezeichnet. „Ich weiß nicht, ob ich mit denen ein Abkommen möchte“, sagte Trump mit Blick auf das iranische Regime, schloss einen Deal aber nicht aus. Sein Hauptziel bleibe, dass der Iran keine Atomwaffe erlange. Der US-Präsident behauptete zudem, er stehe ganz oben auf einer iranischen Attentatsliste, ohne dies näher zu erläutern.
Der Ölpreis reagierte auf die Eskalation: Brent-Rohöl stieg am Mittwoch auf 79,70 Dollar pro Barrel, ein Tagesplus von 7,4 Prozent. Trump hatte zuvor fälschlich behauptet, der Ölpreis sei gefallen.
Merz und Rutte loben Einigkeit
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich auf seiner Abschlusspressekonferenz „mehr als erfüllt“ von seinen Erwartungen an den Gipfel. „Die Nato bleibt für uns alle ein einiger Vorteil“, sagte Merz. „Auch für die USA.“ Er betonte, dass Trump an allen Beratungen teilgenommen und auch kleineren Mitgliedstaaten zugehört habe. „Besser spät als nie“, so Merz. Die europäische „Trittbrettfahrerei“ sei vorbei; Deutschland habe der Nato mit 124,7 Milliarden Euro erneut Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe gemeldet.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte zog ein positives Fazit: „Wir haben einen enorm erfolgreichen Nato-Gipfel abgeschlossen.“ Er verwies auf die Einigkeit der Alliierten und die geschlossenen Rüstungsdeals. Rutte kündigte zudem ein Milliardenprojekt zur Treibstoffversorgung an: 27 Milliarden Euro sollen in die Modernisierung und den Bau neuer Pipelines fließen, insbesondere in den Osten des Bündnisses.
Trump verwechselt Selenskyj und Putin
In einem parallelen Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stellte Trump eine Lizenz für die Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen in der Ukraine in Aussicht. „Das ist ziemlich cool“, sagte Trump. „Wir haben das Unternehmen noch nicht darüber informiert, aber das wird schon gut gehen.“ Allerdings verwechselte der US-Präsident bei einer anderen Gelegenheit Selenskyj mit Russlands Präsident Wladimir Putin, was für Irritation sorgte.
Rutte entschärft Grönland-Spannungen
Rutte bemühte sich, die Spannungen um Grönland zu entschärfen. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Trump versicherte er, dass eine Sicherheitsvereinbarung für die Arktis aus dem Januar weiterhin Bestand habe. Diese umfasst auch Zusagen zum US-Raketenabwehrprogramm „Goldene Kuppel“.
Sicherheitsexperte warnt vor Krieg
Sicherheitsexperte Peter Neumann vom King’s College London glaubt trotz der Eskalation nicht an einen offenen Krieg zwischen den USA und dem Iran. „Beide Seiten werden davor zurückschrecken, einen kompletten Krieg anzufangen“, sagte Neumann im Interview mit dem Podcast „Handelsblatt Today“. Die Ursache der Krise sieht er in den Schwächen des Rahmenabkommens, das Trump nach gegenseitigen Angriffen für beendet erklärte. Das Abkommen sei „bei entscheidenden Fragen sehr, sehr vage“ formuliert gewesen.
Der Nato-Gipfel endete mit der Betonung der Einigkeit und der Forderung Trumps, das Fünf-Prozent-Ziel der Allianz zu erreichen. Fünf Nato-Staaten erreichen dieses Ziel bereits in diesem Jahr.



