NATO-Streit um Straße von Hormus: Sechs Länder versuchen Trump mit Erklärung zu besänftigen
US-Präsident Donald Trump (79) hatte in den vergangenen Tagen erneut massive Kritik an den NATO-Verbündeten geäußert und sogar mit einem Austritt aus dem westlichen Verteidigungsbündnis gedroht. Der Grund für seinen Zorn: Keines der Mitgliedsländer wollte ihm bei der Sicherung von Handelsschiffen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu Hilfe kommen.
Gemeinsame Erklärung als diplomatischer Schachzug
Am Donnerstag unternahmen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Japan einen neuen Versuch, den wütenden US-Präsidenten zu besänftigen. In einer gemeinsamen Erklärung der sechs Staaten heißt es: „Wir bekunden unsere Bereitschaft, einen Beitrag zu geeigneten Anstrengungen zu leisten, um eine sichere Passage der Meerengen zu gewährleisten.“ Allerdings blieben konkrete Details zu dieser Bereitschaft vorerst aus.
Bereits zuvor hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) vorsichtiges Entgegenkommen signalisiert. Während anfangs noch unisono betont wurde „Das ist nicht unser Krieg“, lautet die aktuelle Devise nun: Man könne sich vorstellen, nach einem Kriegsende Unterstützung zu leisten.
Frankreich als Vorreiter mit Sonderbehandlung
Mit diesem Plan war Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48) als Erster vorgeprescht – nun schließen sich die anderen Verbündeten an. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass Frankreich aufgrund seiner früheren Positionierung von Trumps Schelte weitgehend verschont blieb. Trump hatte Macron wegen dessen Haltung in der Hormus-Frage sogar „acht von zehn Punkten“ gegeben.
Das gemeinsame Statement erschien wenige Stunden, bevor Japans Premierministerin Sanae Takaichi (65) von Trump im Weißen Haus empfangen wurde. Diese diplomatische Initiative schien zu funktionieren: Im Oval Office äußerte Trump später anerkennend, er habe Zusicherungen erhalten, dass Japan „wirklich Verantwortung übernehme“.
Trumps massive NATO-Kritik und interne Widersprüche
Nach dem anfänglichen Ausbleiben der Hilfe hatte Trump die NATO massiv kritisiert. Die Haltung der Verbündeten sei „ziemlich schockierend“, erklärte er am Dienstag im Oval Office und fügte hinzu: „Ich denke, die NATO macht einen sehr dummen Fehler.“ Der Fall sei ein „Test“ für das Bündnis gewesen. In Social-Media-Posts setzte er sogar das Wort „Verbündete“ in Anführungszeichen.
Unklar bleibt indes, wie ein möglicher Militäreinsatz in der Straße von Hormus konkret aussehen könnte. Im Gespräch sind laut Informationen Minensuchboote. Amerikanische Medien hatten vergangene Woche berichtet, der Iran habe begonnen, die wichtige Handelsroute zu verminen. Verteidigungsminister Pistorius widersprach dieser Darstellung jedoch am Donnerstag mit den Worten: „Diese Aktivitäten gibt es gegenwärtig nicht.“
Interne Kritik aus Deutschland
Kritik am deutschen Zögern in der Hormus-Frage kam überraschenderweise von einem ehemaligen SPD-Chef. Sigmar Gabriel (66) bezeichnete die anfängliche Absage an Trump als „schweren Fehler“. Auf der Plattform X schrieb der Ex-Außenminister: „Natürlich wollen wir nicht in diesen Krieg. Aber auch unsere Handelsschiffe brauchen Schutz. Vor allem aber hätten wir den Golfstaaten mal zeigen können, dass wir ihnen zur Seite stehen.“
Die diplomatischen Bemühungen der sechs Staaten zeigen, wie sehr die internationale Gemeinschaft um Stabilität in der strategisch bedeutsamen Region bemüht ist. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltransporte weltweit, und jede Destabilisierung hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen. Die nun vorgelegte Erklärung stellt einen Versuch dar, zwischen Trumps Forderungen nach militärischem Engagement und der europäischen Zurückhaltung zu vermitteln.



