New York Times-Recherche: Haben US-Luftschläge im Iran eine Mädchenschule zerstört?
Eine umfassende Recherche der renommierten New York Times legt nahe, dass US-Luftschläge im Iran am 28. Februar eine Mädchenschule in der südiranischen Stadt Minab schwer beschädigten. Laut dem Bericht starben dabei mindestens 175 Menschen, viele davon Kinder. Das iranische Regime wirft den Vereinigten Staaten vor, das Gebäude gezielt bombardiert zu haben – eine Anschuldigung, die durch die Analyse von Satellitenbildern, Social-Media-Posts und verifizierten Videos gestützt wird.
Zeitliche Abläufe und geografische Nähe
Die Untersuchung rekonstruiert, dass der Luftschlag auf die Schule zeitgleich mit Angriffen auf einen Stützpunkt der iranischen Revolutionsgarden in direkter Nähe erfolgte. Minab liegt nur wenige Kilometer von der strategisch wichtigen Straße von Hormus entfernt, wo die USA an diesem Tag mehrere Ziele der iranischen Marine angriffen. General Dan Caine, ein wichtiger Militärberater der US-Regierung, bestätigte eine Karte des Einsatzgebiets, die auch Minab einschloss.
Satellitenaufnahmen von Planet Labs zeigen mehrere präzise Treffer, die mindestens sechs Gebäude der Revolutionsgarden zerstörten – und die benachbarte Schule trafen. Vier Gebäude der Marinebasis wurden komplett zerstört, während zwei weitere Einschlaglöcher in den Dächern aufweisen, die typisch für Präzisionsschläge sind.
Historische Verwechslung als mögliche Ursache
Laut dem Bericht könnte die Schule fälschlicherweise als Teil des Militärstützpunkts identifiziert worden sein. Historische Satellitenbilder belegen, dass das Gebäude bis 2013 tatsächlich zur Marinebasis gehörte. Seit spätestens September 2016 wurde es jedoch zivil genutzt, wie öffentlich zugängliche Bilder von Sport- und Freizeitflächen zeigen. Dies deutet darauf hin, dass Angreifer hätten wissen können, dass es sich um ein ziviles Objekt handelte.
Opferzahlen und internationale Reaktionen
Nach iranischen Angaben starben 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern bei dem Vorfall. Obwohl diese Zahlen nicht unabhängig verifiziert werden können, zeigen Satellitenbilder fast einhundert frisch ausgehobene Gräber auf dem Friedhof von Minab. Das UN-Menschenrechtsbüro verlangt eine umfassende Untersuchung und hält ein Kriegsverbrechen für möglich.
Die US-Regierung hat die Verantwortung für den Angriff bislang nicht übernommen. Auf Nachfrage erklärte die Sprecherin von Donald Trump, Karoline Leavitt: „Nicht, dass wir wüssten“, und verwies auf eine laufende Untersuchung des Pentagon. Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte: „Wir greifen natürlich niemals zivile Ziele an.“
Offene Fragen und fehlende Beweise
Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Vor Ort fehlen sichtbare Waffenreste, und eine unabhängige Untersuchung ist bislang nicht möglich. Die genaue Opferzahl kann nicht bestätigt werden, und niemand hat die Verantwortung für den Luftschlag übernommen. Die New York Times stützt ihre Erkenntnisse hauptsächlich auf indirekte Hinweise, da direkte Zugänge blockiert sind.
Die Tragödie unterstreicht die Risiken von Militäroperationen in dicht besiedelten Gebieten und wirft ethische Fragen zur Zielidentifikation auf. Während die USA ihre Angriffe auf militärische Ziele beschränken wollen, zeigen solche Vorfälle, wie schnell zivile Infrastruktur in Konflikte geraten kann.



