Pakistanische Luftangriffe treffen Kabul und afghanische Provinzen
Die Spannungen zwischen den Nachbarländern Pakistan und Afghanistan haben sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt. Nach heftigen Grenzgefechten am vergangenen Wochenende hat die pakistanische Luftwaffe in der Nacht zum Donnerstag militärische Einrichtungen in Afghanistan angegriffen. Betroffen waren neben der Hauptstadt Kabul auch die Provinzen Kandahar und Paktia.
Taliban bestätigen Luftschläge ohne Opferberichte
Der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, teilte auf der Plattform X mit, dass pakistanische Kampfflugzeuge verschiedene Ziele in Afghanistan bombardiert hätten. "Es gibt derzeit keine Berichte über zivile oder militärische Opfer", erklärte Mudschahid. Die Angriffe seien eine Reaktion auf vorherige militärische Auseinandersetzungen entlang der gemeinsamen Grenze gewesen.
Bereits am Abend zuvor hatten afghanische Taliban-Einheiten pakistanische Stellungen angegriffen. Mudschahid bezeichnete diese Operation als "umfassende Offensive" gegen die pakistanischen Militärpositionen. Die Eskalation folgt einem Muster zunehmender Spannungen zwischen den beiden Nachbarstaaten.
Pakistans Regierung verteidigt militärische Reaktion
Der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar bestätigte die Luftangriffe im staatlichen Fernsehsender PTV. Präsident Asif Ali Zardari betonte auf X die Entschlossenheit seiner Regierung: "Die Reaktion unserer Streitkräfte war umfassend und entschlossen. Pakistan wird keine Kompromisse bei Frieden und territorialer Integrität machen."
Die pakistanische Regierung wirft Afghanistan seit längerem vor, terroristische Gruppen zu beherbergen, die Anschläge auf pakistanischem Territorium verüben. Dieser Vorwurf bildet den Hintergrund der aktuellen militärischen Auseinandersetzungen.
Historisch belastete Beziehungen und Grenzstreit
Die Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan waren bereits in den vergangenen Monaten angespannt. Erst im Herbst kam es zu Gefechten, bei denen laut UN-Angaben etwa 70 afghanische Zivilisten durch pakistanische Angriffe ums Leben kamen.
Ein zentraler Konfliktpunkt bleibt die rund 2.400 Kilometer lange Grenze, die als "Durand-Linie" bekannt ist. Diese faktische Grenze entstand 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan. Der genaue Verlauf dieser Demarkationslinie ist zwischen beiden Ländern bis heute umstritten und bildet einen dauerhaften Quell diplomatischer und militärischer Spannungen.
Augenzeugen in Kabul berichteten von Explosionen und Flugzeuggeräuschen während der nächtlichen Angriffe. Die Situation entlang der Grenze bleibt angespannt, während beide Seiten ihre militärische Präsenz in der Region verstärken.



