Eskalation in Südasien: Pakistan erklärt Taliban-Regierung offenen Krieg
Nach schweren Gefechten mit zahlreichen Toten auf beiden Seiten hat die pakistanische Regierung der Taliban-Regierung in Kabul in der Nacht zu Freitag offiziell den „offenen Krieg“ erklärt. Die dramatische Ankündigung erfolgte nach pakistanischen Luftangriffen auf Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie in Kandahar, dem Machtzentrum der Taliban.
Verteidigungsminister: „Unsere Geduld ist am Ende“
„Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, schrieb Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif (76) im Onlinedienst X. Die Kriegserklärung markiert einen dramatischen Höhepunkt der seit Jahren schwelenden Spannungen zwischen den beiden Nachbarstaaten.
Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar (39) machte die Attacken auf Taliban-Ziele in Kabul, Kandahar und der Provinz Paktia ebenfalls über X öffentlich. Innenminister Mohsin Naqvi (47) nannte die Schläge eine „angemessene Reaktion“ auf die „offene Aggression“ der Taliban.
Explosionen in Kabul, Flugzeuge über Kandahar
Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten aus Kabul von lauten Explosionen und intensiven Schussgeräuschen, die sich über mehr als zwei Stunden hinzogen. In Kandahar im Süden Afghanistans, dem Machtzentrum von Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada, hörte ein AFP-Journalist Militärflugzeuge am Himmel. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestätigte zwar die Angriffe, erklärte jedoch, es habe keine Verletzten gegeben.
Taliban melden erfolgreiche Offensive gegen Pakistan
Bereits am Donnerstag hatten afghanische Streitkräfte nach Angaben der Taliban-Regierung eine „breit angelegte“ Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet gestartet. Nach Taliban-Angaben wurden dabei:
- 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen
- „Dutzende“ pakistanische Soldaten getötet
- Weitere Soldaten verletzt oder gefangengenommen
Hintergrund des eskalierenden Konflikts
Die pakistanische Regierung wirft den radikalislamischen Taliban seit langem vor, nicht entschieden genug gegen militante Gruppen vorzugehen, die von afghanischem Territorium aus Anschläge in Pakistan verüben. Im unwegsamen Grenzgebiet zwischen beiden Ländern kommt es regelmäßig zu tödlichen Auseinandersetzungen.
Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 haben sich die Spannungen kontinuierlich verschärft. Bereits im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen intensiven Kämpfen im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die aktuelle Eskalation stellt die bisher schwerste Konfrontation seit der Taliban-Machtübernahme dar und könnte zu einem ausgewachsenen Grenzkrieg führen.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit großer Sorge, da eine weitere Destabilisierung der Region schwerwiegende humanitäre und sicherheitspolitische Konsequenzen haben könnte. Beobachter befürchten, dass der Konflikt sich auf andere Staaten der Region ausweiten könnte, sollte keine diplomatische Lösung gefunden werden.



