Prinz Harry und sechs weitere Prominente haben vor Gericht eine Niederlage erlitten. Ihre Klage gegen den Verlag der britischen Boulevardzeitung „Daily Mail“, Associated Newspapers Limited (ANL), wurde abgewiesen. In einem 436 Seiten langen schriftlichen Urteil stellte der zuständige Richter fest, dass die Kläger die schwerwiegenden Vorwürfe der unrechtmäßigen Informationsbeschaffung nicht ausreichend belegen konnten.
Vorwürfe der illegalen Recherche
Die Kläger, darunter Prinz Harry, Elton John und dessen Ehemann David Furnish, warfen Reportern der „Daily Mail“ vor, über Jahre hinweg illegale Methoden angewandt zu haben, um an Informationen zu gelangen. Konkret ging es um das Abhören von Telefonaten und Sprachnachrichten sowie das Einsehen privater Dokumente wie Krankenakten. Der Verlag wies die Anschuldigungen von Beginn an entschieden zurück. Der Prozess, der im Januar begann und Ende März endete, sorgte international für Aufsehen.
Emotionale Aussagen vor Gericht
Prinz Harry, der im Januar persönlich vor Gericht aussagte, zeigte sich dabei emotional. Zum Schluss seiner Aussage brach ihm die Stimme, als er über die Presse sagte: „Sie haben das Leben meiner Frau vollkommen zur Hölle gemacht, Euer Ehren.“ Auch Elton John äußerte sich drastisch: Die Praktiken des Verlags seien „abscheulich und jenseits aller Standards menschlichen Anstandes“. Er und Furnish behaupteten, der Verlag habe über Privatdetektive intime Dokumente beschafft.
Harrys Kreuzzug gegen die Boulevardpresse
Prinz Harry, der sich 2020 von den royalen Pflichten zurückzog und mit seiner Frau Meghan und den beiden Kindern in den USA lebt, führt seit Jahren einen persönlichen Feldzug gegen die britische Boulevardpresse. Es war bereits seine dritte Klage dieser Art. Dass er dabei immer wieder persönlich aussagt, gilt als ungewöhnlich für ein Mitglied der Königsfamilie. Er will damit zeigen, dass die illegalen Methoden System hatten.
Familiäre Spannungen
Neben dem Gerichtsverfahren dürfte auch der familiäre Hintergrund für Harry emotional gewesen sein. Ursprünglich hatte es geheißen, er werde während seines fünftägigen Aufenthalts in London im Buckingham-Palast übernachten und sich mit seinem Vater König Charles III. treffen. Doch der Palast dementierte kurzfristig: Das Angebot sei abgelaufen. Harry zeigte sich darüber verärgert, wie sein Sprecher mitteilte. Das Verhältnis zwischen Harry und Charles gilt seit Jahren als zerrüttet, unter anderem wegen eines Streits über den Polizeischutz für Harry und seine Familie in Großbritannien.



