Reiche wirbt in Ankara um engere Beziehungen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat in Ankara für eine Vertiefung der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen geworben. „Wir brauchen die Türkei als verlässlichen Handelspartner, aber auch zur Erreichung gemeinsamer politischer Ziele“, sagte die Politikerin am Rande politischer Gespräche in der türkischen Hauptstadt. Sie verwies dabei auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und den Konflikt im Iran, der hoffentlich dauerhaft beendet werde.
Reiche und der türkische Handelsminister Ömer Bolat bewerteten die Entwicklung des bilateralen Handels positiv. „Die Türkei ist der fünftgrößte Handelspartner der EU“, betonte Reiche. Die Handelsbeziehungen seien nahezu ausgeglichen. Auch die Investitionen deutscher Unternehmen in der Türkei seien breit aufgestellt. „Umgekehrt gilt dasselbe“, so die Ministerin. Deutsche Investoren wollten ihre Position auf dem türkischen Markt weiter ausbauen.
Energie als zentrales Thema
Angesichts der weltweiten Verwerfungen durch die Schließung der Straße von Hormus setzen beide Länder verstärkt auf Kooperation bei Energie und Rohstoffen. „Es geht nicht, passiv da draufzuschauen“, sagte Reiche. Man müsse aktiv handeln. Deutschland und die Türkei vereinbarten, ihre 2012 gegründete Energiepartnerschaft auszubauen. „Lassen Sie uns aus den Herausforderungen heute die Stärke von morgen gewinnen“, erklärte Reiche beim 7. türkisch-deutschen Energieforum.
Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar kündigte an, die Türkei wolle künftig nicht nur die eigene Energiesicherheit gewährleisten, sondern auch dazu beitragen, dass Europa sichere Energie habe. Reiche wies auf ein großes Gasfeld im Schwarzen Meer hin, das eine zentrale Rolle in der künftigen Versorgung der Türkei spielen solle. „Wer über Energie verfügt, ist weniger abhängig“, sagte die Politikerin. Zugleich sei er auch einflussreicher. Als Antwort auf die jüngste Ölkrise müsse auf mehrere Energiequellen parallel gesetzt werden.
Deutschland und die Türkei seien sich einig, dass es Offenheit für verschiedene Technologien geben müsse – „und Offenheit für alles, was Unternehmen auf den Markt bringen“. Die Energieziele wurden in einem Protokoll festgehalten. Die Partnerschaft werde zudem um Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien, also seltenen Rohstoffen, erweitert. „Die Energiewende muss gelingen und sie kann gelingen, wenn wir gemeinsam Zugriff auf kritische Mineralien haben“, sagte Reiche.
Besuch mit Symbolik
Am Atatürk-Mausoleum erwies Reiche dem Gründer der modernen Türkei mit einer Kranzniederlegung die Ehre und würdigte mit einem Eintrag ins Gästebuch Mustafa Kemal Atatürk. Zu Beginn ihres zweitägigen Besuchs in Ankara hatte sie auf die Frage geantwortet, ob die innenpolitische Lage mit Repressionen gegen die Opposition zur Sprache kommen solle. Es gebe neben schönen Themen auch komplizierte, so Reiche. „Die werden wir besprechen, aber bestimmt nicht kurz vor Abflug und nicht ins Mikrofon.“



