Riskantes Störfeuer: Trumps Iran-Deal bereits in Gefahr?
Die für Freitag geplanten technischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz wurden in letzter Minute abgesagt. Vizepräsident J.D. Vance, der als US-Verhandlungsführer vorgesehen war, blieb in Washington. Das Weiße Haus verwies offiziell auf „Logistik“-Probleme, doch der wahre Grund dürfte tiefer liegen. Im Libanon flammten die Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel wieder auf, was die ohnehin fragile Waffenruhe im Nahen Osten zusätzlich belastet.
Hisbollah-Angriffe und israelische Vergeltung
Nach israelischen Angaben hatten Hisbollah-Kämpfer am Freitag im Süden des Libanon vier israelische Soldaten getötet. Israel reagierte mit schweren Luftschlägen, bei denen nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 18 Menschen ums Leben kamen und mehr als 30 verletzt wurden. Die israelische Regierung forderte eine Intensivierung der Angriffe. Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X: „Es ist Zeit, die Pforten der Hölle zu öffnen.“ Nationaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir erklärte: „Der gesamte Libanon muss brennen. Bei allem Respekt gegenüber den Amerikanern muss Israel der ganzen Welt klarmachen, dass das Blut unserer Söhne und die Sicherheit unserer Bürger nicht aufgegeben werden dürfen.“
Am Freitagnachmittag wurde zwar eine von den USA und Katar vermittelte Waffenruhe verkündet, doch die Lage bleibt angespannt. Die Krise trifft die empfindlichste Stelle des 14-Punkte-Memorandums, das ein Ende der Kämpfe „an allen Fronten“ vorsieht, ausdrücklich auch im Libanon. Allerdings sind weder Israel noch die Hisbollah Vertragsparteien des Abkommens. Premierminister Benjamin Netanjahu hält sich nicht an die Vereinbarung, und auch die Hisbollah ignoriert sie.
Iran als Hebel
Für Teheran bietet die Situation einen Hebel. Aus dem Umfeld der Hisbollah verlautete, der Iran habe signalisiert, dass weitere Gespräche mit den USA nur bei einer umfassenden Feuerpause stattfinden könnten. Die Botschaft an Washington ist klar: Wenn Präsident Donald Trump einen Deal will, muss er Netanjahu zügeln. Trump selbst hatte auf Truth Social eine „vollständige Waffenruhe an allen Fronten, einschließlich Libanon, Hisbollah und Israel“ gefordert. Vizepräsident Vance warnte israelische Kritiker am Donnerstag ungewöhnlich scharf: Trump sei „der einzige Staatschef der Welt“, der Israel derzeit noch wirklich wohlgesonnen sei. Die Botschaft: Macht den Deal nicht kaputt.
Fragile Lage
Netanjahu hingegen betont, Israel werde Angriffe auf seine Soldaten und sein Gebiet nicht hinnehmen und die Hisbollah „einen sehr hohen Preis“ zahlen lassen. Für Washington ist Israels Härte riskant, weil sie den Iranern einen Vorwand liefern könnte, den Start der 60-tägigen Frist zu verschleppen. Die Lage ist fragil: Im Golf ist die akute Eskalation gedämpft, die Situation in der Straße von Hormus bleibt diffus, und die Ölpreise sind gefallen. Doch der politische Kern des Deals ist nicht stabil. Die Atomfrage ist ungelöst, die Sanktionsfrage umstritten. Der Libanon zeigt, wie leicht eine Nebenfront zur Hauptfront werden kann.



