Spritpreis-Explosion im US-Wahljahr: Trumps Kriegspolitik wird zur Gefahr für Republikaner
Washington • Die Benzinpreise in den Vereinigten Staaten haben das höchste Niveau seit Jahren erreicht – eine Entwicklung, die im heißen Wahljahr 2026 für Präsident Donald Trump und seine Republikaner zur ernsthaften Gefahr werden könnte. Mit Versprechen von günstiger Energie und dem Ende der Kriege hatte Trump einst seine Wähler mobilisiert. Doch die Realität sieht nun anders aus: Der von ihm initiierte Krieg gegen den Iran belastet den internationalen Ölhandel massiv und treibt die Preise an den Tankstellen in die Höhe.
Trumps Wahlversprechen und die bittere Realität
Während der Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden war Trump einer der schärfsten Kritiker der explodierenden Spritpreise. Er versprach, die Energiepreise zu halbieren, die Amerikaner stets an erste Stelle zu setzen und eine Ära ohne Kriege einzuleiten. „Bei mir gibt es keine Kriege“, lautete sein zentrales Wahlversprechen. Doch gut ein Jahr nach seiner Amtseinführung stellt sich die Situation dramatisch anders dar. Der Krieg gegen den Iran hat zu erheblichen Störungen im globalen Ölhandel geführt, was US-Bürgerinnen und Bürger nun an der Zapfsäule schmerzlich zu spüren bekommen.
Besonders betroffen: Trumps Kernwählerschaft
Der Preisanstieg trifft die ländliche Bevölkerung besonders hart – genau jene Gruppe, die traditionell zu Trumps treuesten Unterstützern zählt. Anders als bei früheren Preisschüben kann der Republikaner die Schuld nicht auf äußere Kräfte oder einen unberechenbaren Weltmarkt schieben. Der Grund für die Verteuerung liegt eindeutig in seiner eigenen Außenpolitik begründet. Trump geht daher mit einer offenen Flanke in den Wahlkampf zu den entscheidenden Midterm-Wahlen im November.
Diese Zwischenwahlen werden darüber entscheiden, ob Trump in der verbleibenden Amtszeit noch größere Projekte umsetzen und wichtige Regierungsposten besetzen kann. Historisch gesehen werden Amtsinhaber bei Midterms häufig abgestraft – selbst ohne größere Krisen. Die aktuelle Spritpreisentwicklung könnte diese Tendenz noch verstärken.
Trumps Reaktion und die öffentliche Wahrnehmung
Der Präsident versucht das Problem herunterzuspielen und bezeichnet den Preisanstieg als kurzfristiges Phänomen. Er argumentiert, die erhöhten Ölpreise seien sogar vorteilhaft für die USA als weltgrößtem Produzenten. Doch Umfragen zeigen ein anderes Bild: Die große Mehrheit der Bevölkerung profitiert nicht vom hohen Ölpreis, sondern muss die gestiegenen Kosten für den täglichen Weg zur Arbeit, den Schultransport der Kinder oder Einkäufe tragen.
„Für Trump ist aufgrund der Ölpreisentwicklung der innenpolitische Druck bereits jetzt stark gestiegen“, analysiert US-Expertin Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Mehrheit der US-Amerikaner lehne den Krieg ab, und die Unterstützung vieler Republikaner hänge davon ab, ob Trump schnell militärische Erfolge präsentieren und den Konflikt für beendet erklären könne.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Vergangene Woche kletterte der Benzinpreis erstmals seit Jahren auf über vier Dollar pro Gallone (3,785 Liter). Vor dem Krieg lagen die Preise bei knapp drei Dollar – ein Anstieg von mehr als einem Drittel. Zuletzt mussten Autofahrer im Sommer 2022 ähnlich hohe Beträge zahlen, als die Preise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zeitweise stark gestiegen waren.
Die aktuell hohen Preise gehen vor allem auf die iranische Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus zurück. Normalerweise wird durch diese Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ein Fünftel der weltweiten Ölexporte verschifft. Der Krieg hat den Schiffsverkehr praktisch zum Erliegen gebracht, was den Weltmarktpreis rasch in die Höhe trieb.
Kritik von unerwarteter Seite
Während offene Kritik an Trumps Prioritäten innerhalb der Republikaner kaum zu hören ist, wird die Sensibilität des Themas dennoch deutlich. „Die Benzinpreise sind immer wie eine Art Messlatte“, zitiert das Portal „Politico“ den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, John Thune. Ein nicht namentlich genannter Abgeordneter sagte dem Portal sogar, das Thema könne Amerikaner „auf die Palme bringen“.
Deutlichere Worte findet der konservative Meinungsmacher Tucker Carlson, der Trump scharf kritisiert. Der Krieg im Iran widerspreche dem Slogan „America first“, mit dem Trump viele Unterstützer hinter sich gebracht habe. Carlson argumentiert, dass Trumps Entscheidung, diesen Krieg trotz gegenteiliger Versprechen zu führen, seine Basis erschüttern und die politischen Karten grundlegend neu mischen werde.
Politische Konsequenzen zeichnen sich ab
Umfragen zeigen, dass der Krieg bei der Mehrheit der Amerikaner bereits vor dem Spritpreisanstieg unbeliebt war. Diese Entwicklung dürfte vielen republikanischen Kandidaten den Wahlkampf deutlich erschweren. Die Republikaner müssen im November im Repräsentantenhaus eine hauchdünne Mehrheit verteidigen. Verlieren sie auch nur eine der beiden Parlamentskammern, könnte Trump politisch zur „lame duck“ (lahmen Ente) werden.
Politikwissenschaftler David McLennan vom Meredith College in North Carolina geht davon aus, dass „25 oder mehr Sitze von den Republikanern an die Demokraten gehen könnten“. Trumps Zustimmungswerte seien auf dem niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit. Bleiben die Spritpreise hoch, könnte seine Popularität weiter sinken – und sogar eine demokratische Mehrheit im Senat möglich werden.
Breitere wirtschaftliche Auswirkungen
Das Problem steigender Preise beschränkt sich nicht auf das Tanken. Erst vor wenigen Tagen erhöhte die OECD ihre Inflationsprognose für die USA für dieses Jahr um ganze 1,2 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent. „Gelingt es den Demokraten, Trump für Kriege und steigende Lebenshaltungskosten verantwortlich zu machen, werden Wahlsiege für sie wahrscheinlicher“, resümiert Expertin von Daniels.
Die Midterm-Wahlen im November werden somit nicht nur über die politische Handlungsfähigkeit des Präsidenten in seiner verbleibenden Amtszeit entscheiden, sondern auch ein deutliches Signal senden, wie die amerikanische Bevölkerung Trumps Außenpolitik und deren wirtschaftliche Folgen bewertet.



