Nato-Gipfel: Trump entfacht Grönland-Streit neu – Rohstoffe und Raketenabwehr im Fokus
Trump entfacht Grönland-Streit neu auf Nato-Gipfel

US-Präsident Donald Trump hat den Streit um Grönland auf dem Nato-Gipfel im Juli 2026 zurück auf die internationale Krisenagenda gerückt. Die arktische Insel, die sich als autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark selbst verwaltet, solle „von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden, nicht von Dänemark“, sagte Trump zur Eröffnung des Gipfels am Dienstag.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte prompt: Sie bekräftigte in Ankara, ihr Land werde „jeden Zentimeter der Nato“ verteidigen und vertraue darauf, dass die Bündnispartner ihre Beistandspflichten erfüllten. Zuvor hatte sie gewarnt: Ein amerikanischer Angriff auf Grönland könnte das Ende der Nato bedeuten.

Überrumpelte Verbündete und weitreichende Vertrauensstörungen

Trump befeuerte damit erneut einen Konflikt, der schon als entschärft galt, aber nie überwunden war. „Ich glaube, Öffentlichkeit und Medien haben das Thema Grönland schnell hinter sich gelassen, weil es so viele andere drängende Themen gibt“, sagte der demokratische US-Senator Chris Coons am Mittwoch in einer Konferenzschalte mit internationalen Journalisten. Gemeinsam mit republikanischen und demokratischen Kollegen aus dem Auswärtigen Ausschuss des Senats wollte er eigentlich Geschlossenheit demonstrieren. Doch Trumps Grönland-Vorstoß schien die Gruppe überrumpelt zu haben. Coons sprach von „weitreichenden Vertrauensstörungen“ zwischen den USA und Europa.

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Eigentlich laufen seit fünf Monaten Gespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland über ein neues Sicherheitsabkommen für die Arktis. Sie begannen, nachdem Trump Anfang des Jahres mit einer militärischen Besetzung der Insel gedroht hatte. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos rückte er zwar von dieser Rhetorik ab und öffnete die Tür für Verhandlungen. Im Mittelpunkt stehen ein Ausbau der amerikanischen Militärpräsenz und die Einbindung Grönlands in Trumps Raketenabwehrprojekt „Golden Dome“.

Chronologie der Eskalation

Bereits kurz vor dem Nato-Gipfel sprach ein hochrangiger US-Beamter in einem Briefing vor Journalisten über die Sorgen von Trump bezüglich Grönlands Sicherheit. „Bislang ist die einzige Lösung, die wir dafür gefunden haben, der Erwerb Grönlands durch die Vereinigten Staaten“, sagte er. „Wir werden jedoch weiterhin andere Optionen prüfen, um diesen Bedenken Rechnung zu tragen.“

Ein Blick auf Trumps zweite Amtszeit zeigt, dass sein Vorstoß auf dem Nato-Gipfel nicht ganz überraschend kommt. Immer wieder setzte seine Regierung beim Thema Grönland auf Druck und Eskalation. Die Chronologie reicht von Trumps Truth-Social-Beitrag im Dezember 2024 über Vizepräsident J.D. Vances Reise nach Grönland im März 2025 bis hin zu Drohungen mit Strafzöllen und einem veröffentlichten Bild, das Trump beim Aufstellen einer amerikanischen Flagge auf Grönland zeigt.

Strategische Interessen: Rohstoffe und Raketenabwehr

Grönland ist für die USA vor allem wegen seiner Rohstoffe von strategischer Bedeutung. Unter dem Eis lagern große Vorkommen an seltenen Erden und anderen kritischen Mineralien, die für Halbleiter, Batterien, Rechenzentren und moderne Waffensysteme unverzichtbar sind. Damit wird die Insel Teil des globalen Wettlaufs um strategische Ressourcen. China hat sich weltweit früh Zugriff auf solche Rohstoffe gesichert. Die USA reagieren mit einer zunehmend offensiven Industrie- und Außenpolitik. Auch Deutschland beteiligt sich daran und stockt, wie das Handelsblatt berichtete, seinen Rohstofffonds auf, unter anderem für ein Projekt in Grönland.

Die Trump-Regierung verknüpft diese Rohstoffstrategie offen mit geopolitischen Interessen. Mit der Initiative „Pax Silica“ will sie sichere Lieferketten für kritische Mineralien und Schlüsseltechnologien aufbauen. Das Pentagon, von Trump in „Kriegsministerium“ umbenannt, hat die Sicherung kritischer Mineralien zur strategischen Priorität erklärt. Ziel ist, die Abhängigkeit von China zu beenden und die Grundlage für eine KI-gestützte Streitmacht zu schaffen.

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Die zweite Säule von Trumps Grönland-Strategie ist militärischer Natur. Schon im Kalten Krieg spielte Grönland eine wichtige Rolle für die amerikanische Abschreckung. Heute betreiben die USA dort mit der Pituffik Space Base nur noch einen großen Militärstützpunkt. Mit dem geplanten Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ könnte die Insel jedoch erneut zu einem der wichtigsten Vorposten der amerikanischen Verteidigung werden. Denn über die Arktis verläuft die kürzeste Flugroute für russische Interkontinentalraketen in Richtung USA. Vizepräsident J.D. Vance brachte es im vergangenen Jahr auf den Punkt: „Die gesamte Raketenabwehrinfrastruktur hängt zum Teil von Grönland ab.“

Widerstand in Europa und den USA

Zwar verfügen die Vereinigten Staaten auf Grundlage eines Verteidigungsabkommens von 1951 bereits über militärischen Zugang zur Insel. Für den Ausbau zu einem umfassenden Raketenabwehrschirm reichen die bestehenden Vereinbarungen jedoch nicht aus. Sicherheitsexperten halten eine stärkere amerikanische Militärpräsenz auf Grönland deshalb für strategisch nachvollziehbar. Trumps Versuch, sie notfalls mit Annexion oder militärischem Druck durchzusetzen, sorgt jedoch für erheblichen Widerstand in Europa – und in den USA.

Auffällig ist, dass selbst Trumps loyalste Verbündete die Rhetorik des US-Präsidenten kaum öffentlich übernehmen. Der von Trump zum Sonderbeauftragten für Grönland ernannte republikanische Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, erklärte am Mittwoch in einem Facebook-Post zwar, Trump habe mit Blick auf Grönland „recht“. Eine stärkere amerikanische Präsenz könne beiden Seiten nützen, so Landry. Von einer Annexion oder einem militärischen Einmarsch sprach er jedoch nicht. Stattdessen wirbt er für mehr diplomatische und militärische Zusammenarbeit, gemeinsame Investitionen sowie einen intensiveren Austausch in Bildung und Kultur.

Hinter verschlossenen Türen raten US-Beamte ihren europäischen Kollegen seit Wochen, die Annexionspläne nicht so ernst zu nehmen. Trump werde sie schon nicht umsetzen, heißt es. Grundsätzlich muss der US-Kongress einem Militäreinsatz zustimmen, wenn dieser länger als 60 Tage dauern soll. Das Bombardement gegen Venezuela und der Irankrieg zeigen jedoch, wie weitreichend die Befugnisse eines US-Präsidenten in der Praxis sind. Beide Operationen wurden ohne vorherige Zustimmung des Kongresses eingeleitet.