Der Streit um die Herausgabe von Mitgliederdaten bei Werder Bremen eskaliert. Nachdem der Verein eine außergerichtliche Einigung abgelehnt hat, kündigt Kläger Pascal Tetschet an, das Urteil mit einem Gerichtsvollzieher durchzusetzen. Tetschet, Sprecher einer Mitgliederinitiative, hatte vor Gericht das Recht erstritten, die E-Mail-Adressen der rund 55.000 stimmberechtigten Mitglieder zu erhalten. Werder hatte jedoch unmittelbar nach der Urteilsverkündung Rechtsmittel angekündigt und die Herausgabe verweigert.
Letztes Angebot abgelehnt
Ende vergangener Woche bot Tetschet Präsident Hubertus Hess-Grunewald (65) erneut eine Einigung an. Sein Vorschlag: Jedes Mitglied sollte selbst entscheiden, ob es seine E-Mail-Adresse weitergibt. Im Gegenzug hätte Tetschet auf eine Fortsetzung des Rechtsstreits und die Vollstreckung des Urteils verzichtet. Nach einigen Tagen Bedenkzeit lehnte Werder überraschend ab – mit der Begründung, dies sei „die Verantwortung gegenüber den Mitgliedern“. Im Lager der Fan-Initiative sorgt dies für große Irritationen.
Konsequente Durchsetzung
In einer Pressemitteilung, die BILD vorliegt, erklärte Tetschet: „Ich habe dem Verein mehrfach die Möglichkeit gegeben, eine gemeinsame Lösung zu finden. Nachdem dieser Weg nun nicht angenommen wurde, werde ich konsequenterweise die mir zustehenden Rechte aus dem Urteil wahrnehmen.“ Daher werde er mit einem Gerichtsvollzieher das Urteil vollstrecken und die Daten beschaffen. „Das ist ausdrücklich nicht der Weg, den ich mir gewünscht habe. Mein Ziel war und bleibt eine sachliche Diskussion innerhalb unseres Vereins. Gleichzeitig darf ein gerichtlich bestätigtes Mitgliedsrecht nicht dadurch faktisch entwertet werden, dass die Umsetzung bis nach der Mitgliederversammlung hinausgezögert wird“, so Tetschet weiter.
Mitgliederversammlung im November
Die nächste Mitgliederversammlung ist für den 15. November angesetzt. Werders rechtliche Schritte dürften die Herausgabe der Daten beträchtlich verzögern. Tetschets Blick richtet sich nun auf diese Versammlung und die Diskussion der eingereichten Satzungsänderungen. Seine Botschaft: „Am Ende geht es nicht um Gewinner oder Verlierer eines Rechtsstreits. Es geht um die Frage, wie modern, transparent und demokratisch unser Verein zukünftig sein möchte.“



