Bestsellerautor Tuvia Tenenbom in Berlin zweimal gecancelt
Der Bestsellerautor Tuvia Tenenbom wollte in Berlin sein neues Buch über israelische Siedler vorstellen. Doch die geplanten Veranstaltungen wurden abgesagt. Zudem ruht seine Mitarbeit bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Hintergründe sind vielschichtig.
Wie aus dem Umfeld des Autors zu erfahren war, sollte Tenenbom in einer Berliner Buchhandlung lesen. Der Termin wurde jedoch kurzfristig gestrichen. Auch eine zweite Veranstaltung in einer anderen Location fand nicht statt. Offenbar gab es Proteste von Aktivisten, die Tenenboms Positionen als zu israelfreundlich und einseitig kritisierten.
Tenenbom selbst zeigt sich enttäuscht. „Ich rede mit allen“, sagte er gegenüber der Presse. Er wolle Dialog fördern, nicht spalten. Sein Buch beschäftigt sich mit dem Alltag israelischer Siedler im Westjordanland und versucht, deren Perspektive darzustellen. Dies stieß bei manchen Gruppen auf Ablehnung.
Mitarbeit bei der „Zeit“ ruht
Parallel zu den Absagen in Berlin wurde bekannt, dass Tenenboms Mitarbeit bei der „Zeit“ vorerst pausiert. Die Wochenzeitung hatte regelmäßig Kolumnen von ihm veröffentlicht. Eine Sprecherin der „Zeit“ bestätigte, dass die Zusammenarbeit ruhe, ohne nähere Details zu nennen. Branchenkenner vermuten einen Zusammenhang mit den Kontroversen um seine Buchvorstellungen.
Tenenbom, der in Israel lebt und regelmäßig nach Deutschland reist, hat in der Vergangenheit mehrfach polarisiert. Seine Bücher, darunter Bestseller wie „Allein unter Juden“ und „Allein unter Deutschen“, behandeln oft jüdische Identität und den Nahostkonflikt. Er gilt als scharfer Beobachter, der mit seiner pointierten Sprache aneckt.
Die Absagen in Berlin werfen ein Schlaglicht auf die Debatte um Meinungsfreiheit und politische Korrektheit im Kulturbetrieb. Tenenbom selbst spricht von „Cancel Culture“. Er sei keinem politischen Lager zuzuordnen, sondern wolle einfach seine Recherchen präsentieren. Ob und wann er seine Buchvorstellungen nachholen kann, ist unklar.



