Ein US-Soldat, der sich in Großbritannien mehrfach entblößt haben soll, ist einer Strafverfolgung durch die britische Justiz entgangen. Wie der „Guardian“ berichtet, handelt es sich dabei um keinen Einzelfall. Der Fall des Soldaten Hannes Marschalek, der auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Lakenheath stationiert war, zeigt ein wiederkehrendes Problem: US-Militärangehörige können sich bei Straftaten auf britischem Boden oft der lokalen Gerichtsbarkeit entziehen.
Der Fall Hannes Marschalek
Laut „Guardian“ wurde Marschalek 2021 auf dem Stützpunkt Lakenheath eingesetzt. Die örtliche Polizei erhielt 2022 Beschwerden, dass er sich unsittlich entblößt habe. Ein mutmaßliches Opfer gab an, Marschalek habe nackt in der Tür gestanden und sein Geschlechtsteil gezeigt, während er ein Mobiltelefon hielt. Eine andere Frau berichtete, er habe nackt in der Tür gestanden und die Hand auf den Türrahmen gelegt. Die britische Polizei ermittelte, nahm Marschalek fest und vernahm ihn. Doch drei Wochen später wurde der Fall an das US-Militär übergeben – obwohl die Tat auf britischem Boden und außerhalb des Dienstes stattfand.
2023 wurde Marschalek vor ein US-Militärgericht gestellt, wegen zwei Fällen von unzüchtigem Verhalten. Er und die Militärstaatsanwaltschaft einigten sich auf eine Vereinbarung, die eine Anklage fallen ließ. Aus den Gerichtsunterlagen zitiert der „Guardian“ eine Textnachricht von Marschalek an Freunde: „Ich habe gerade definitiv ein paar Damen, die vom Zug kamen, mein Ding gezeigt. LOL.“ Vor Gericht sagte er: „Ich verstehe und glaube, dass mein Verhalten, insbesondere das Öffnen der Tür, um nackt gesehen zu werden, was mich sexuell erregte, von anderen als vulgär, obszön und abstoßend empfunden worden sein könnte.“
Rückkehr in die USA und fehlende Strafe
Marschalek kehrte inzwischen in die USA zurück, wo er aufgrund seines Verhaltens im Sexualstraftäterregister geführt wird. Laut „Guardian“ hätte ihm bei einer Verhandlung vor einem britischen Gericht eine Haftstrafe gedroht. Der Fall zeigt, wie US-Soldaten durch den Status als Militärangehörige der britischen Justiz entkommen können.
Ein weiterer Fall sorgte im Sommer für Aufsehen: Jacob Wulfson, ein US-Kampfpilot, ebenfalls in Lakenheath stationiert, wurde schuldig gesprochen, 2023 eine Britin in seiner Wohnung gewürgt zu haben. Das Opfer, eine auf sexuelle Übergriffe spezialisierte Juristin, wirft ihm zudem vor, sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Sie ging direkt nach dem Übergriff ins Krankenhaus und wandte sich an die Behörden. Im „Guardian“ berichtete sie, wie erniedrigend die Verhandlung vor einem US-Militärtribunal war: Sie musste vor einer ausschließlich männlichen Geschworenen aussagen, die alle auf demselben Stützpunkt stationiert waren wie Wulfson.
Britische Regierung zeigt sich besorgt
Auch Wulfson war nicht im Dienst und beging die Tat auf britischem Boden, dennoch wurde der Fall von einem US-Gericht verhandelt. Der britische Vize-Premierminister David Lammy bezeichnete den Fall als „sehr besorgniserregend“ und forderte vor dem Parlament eine umfassende Darstellung der Geschehnisse von der US-Regierung.



