Die US-Regierung hat den ehemaligen kubanischen Staatschef Raúl Castro angeklagt. Der 94-Jährige soll laut US-Justizminister Todd Blanche in den Abschuss von zwei Flugzeugen durch die kubanische Luftwaffe im Jahr 1996 verwickelt gewesen sein, bei dem auch US-Amerikaner starben. Die Klage wurde bei einem Gericht in Florida eingereicht.
US-Präsident Donald Trump erklärte wenige Stunden später, die USA würden „Kuba befreien“. Er könne nicht sagen, wie es mit dem Inselstaat weitergehe. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel reagierte auf X und bezeichnete die Klage als „politische Maßnahme ohne jegliche rechtliche Grundlage“.
Die Anklage gegen Castro schürt die Sorge vor einem möglichen US-Militärschlag gegen Kuba. Bereits zuvor war die Furcht gewachsen, nachdem die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro angeklagt und festgenommen hatten. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit der kubanischen Revolution angespannt, unter Trump verschärften sie sich durch Sanktionen und eine Ölblockade.
Raúl Castro war fast 50 Jahre lang Verteidigungsminister und löste 2008 seinen Bruder Fidel Castro als Staatschef ab. In seiner Zeit als Verteidigungsminister ordnete er 1996 den Abschuss von zwei Flugzeugen der Organisation „Hermanos al Rescate“ an. Drei der vier Todesopfer waren US-Bürger. Die Internationale Organisation für Zivilluftfahrt stellte fest, dass die Flugzeuge sich über internationalen Gewässern befanden.
In Kuba wurden zeitgleich mit der Anklage Gedenkveranstaltungen zum 95. Geburtstag von Raúl Castro am 3. Juni angekündigt. Castro gilt als Schlüsselfigur in der Regierung und ist im Militär bestens vernetzt. Die Exilkubaner in Florida bereiten derweil Feiern für den Sturz der Castros vor, doch viele fürchten, Trump wolle nur Geschäfte mit einem kontrollierbaren Regime machen.



