Kommunalwahl in Bayern: Entscheidungen vertagen sich auf Stichwahlen
Der Wahlsonntag in Bayern hat bei zahlreichen wichtigen Ämtern noch keine endgültigen Entscheidungen gebracht. Sowohl bei den Oberbürgermeisterwahlen in den großen Städten als auch bei vielen Landratswahlen im Freistaat müssen die Stimmberechtigten am 22. März erneut zur Urne gehen. Die ersten Ergebnisse zeigen bereits spannende Entwicklungen und Verschiebungen im politischen Kräfteverhältnis.
München: Reiter unter Druck nach kontroversen Vorfällen
In der Landeshauptstadt München muss Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD wie bereits in den Jahren 2014 und 2020 in eine Stichwahl. Allerdings verzeichnete der Oberbürgermeister diesmal einen deutlichen Rückgang seiner Unterstützung. Während er vor sechs Jahren im ersten Wahlgang noch stolze 47,9 Prozent der Stimmen erreichte, kam er nun nur noch auf 35,6 Prozent. Sein größter Herausforderer ist Dominik Krause von den Grünen, der mit 29,5 Prozent stark abschnitt.
Die jüngsten Negativschlagzeilen um Reiter haben offenbar Spuren hinterlassen. Der Oberbürgermeister war wegen nicht genehmigter Zahlungen für ein Ehrenamt beim FC Bayern massiv in die Kritik geraten. Zudem sorgte die Verwendung des rassistischen N-Wortes in einer Stadtratssitzung für Empörung. Reiter entschuldigte sich zwar für beide Vorfälle, doch die Wählerinnen und Wähler zeigten sich bei der Wahl deutlich reservierter.
Stichwahlen in Nürnberg, Augsburg und vielen Landkreisen
Nicht nur in München, sondern auch in anderen großen bayerischen Städten werden die Oberbürgermeisterämter erst in der Stichwahl entschieden. In Nürnberg, der zweitgrößten Stadt Bayerns, treten Amtsinhaber Marcus König von der CSU und der SPD-Herausforderer Nasser Ahmed gegeneinander an. In Augsburg, der drittgrößten Stadt des Freistaats, muss Oberbürgermeisterin Eva Weber von der CSU in die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund.
Parallel dazu warten zahlreiche Landkreise auf die endgültige Besetzung der Landratsposten. Auch hier werden viele Entscheidungen erst am 22. März fallen, was die politische Spannung in den kommenden zwei Wochen weiter anheizt.
Parteien analysieren erste Ergebnisse und blicken voraus
Die bayerischen Parteien haben unmittelbar nach der Wahl mit der Analyse der ersten Ergebnisse begonnen. Der CSU-Vorstand kam unter Leitung von Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder in München zusammen, um die Situation zu besprechen. Auch die Grünen und die Freien Wähler luden zu Pressekonferenzen ein, um ihre Positionen darzulegen und die weiteren Strategien zu erläutern.
Bis spätestens Mittwoch müssen die Auszählungen der Stadtrats-, Gemeinderats- und Kreistagswahlen abgeschlossen sein. Dann soll auch ein landesweites Gesamtergebnis vorliegen, das mit großer Spannung erwartet wird. Besonders im Fokus steht dabei die Frage, ob und wie stark die AfD bei dieser Kommunalwahl zulegen konnte.
Historischer Vergleich und AfD-Erwartungen
Bei den letzten Kommunalwahlen vor sechs Jahren hatte die CSU landesweit etwa fünf Prozentpunkte verloren und kam auf 34,5 Prozent. Die SPD erlitt einen noch deutlicheren Einbruch von rund sieben Prozentpunkten auf historisch niedrige 13,7 Prozent. Die Grünen erreichten damals mit 17,5 Prozent ihr bislang bestes Kommunalwahlergebnis, während die Freien Wähler auf 11,9 Prozent und die AfD auf 4,7 Prozent kamen.
Für die aktuelle Wahl wird erwartet, dass die AfD ihr landesweites Ergebnis steigern kann – nicht zuletzt deshalb, weil die Partei diesmal in allen kreisfreien Städten und Landkreisen mit eigenen Listen antrat. Allerdings gelang es bei den Direktwahlen zu Landrats- und Oberbürgermeisterposten keinem AfD-Kandidaten, einen Sieg im ersten Wahlgang zu erringen. Auch schien zunächst nicht absehbar, dass AfD-Bewerber in Stichwahlen gelangen würden.
Die kommenden zwei Wochen bis zu den Stichwahlen am 22. März versprechen intensive Wahlkampfphase in ganz Bayern. Die politischen Akteure werden alles daransetzen, die noch unentschiedenen Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen und die wichtigen kommunalen Ämter zu besetzen.



