Magdeburg (Sachsen-Anhalt) – Der Prozess um das Weihnachtsmarkt-Attentat von Magdeburg stockt wegen Verzögerungen bei psychiatrischen Gutachten. Das Gericht hatte zusätzliche Psychiater eingesetzt, um die Anhörung der Opfer zu beschleunigen. Doch am ersten Tag kam es zu einem Stau bei den Begutachtungen.
Mehr als 300 Betroffene sind in der Anklage gegen den geständigen Attentäter Taleb al-Abdulmohsen aufgeführt. Viele von ihnen leiden unter schweren psychischen Folgen wie Panikattacken, Flashbacks und Schlafstörungen. Das Gericht muss jeden Fall einzeln prüfen, nachdem Nebenkläger einer Beschränkung des Verfahrens widersprachen.
Am 21. Verhandlungstag sagte die Ingenieurin Anne E. (26) aus, dass der Attentäter direkt an ihr vorbeifuhr. Obwohl sie körperlich unverletzt blieb, kann sie heute kein Auto mehr fahren und leidet unter Schlafstörungen sowie einem Tremor in der Hand. Cathrin C. (58), eine Postzustellerin, berichtete von Panik bei bestimmten Autogeräuschen und Retraumatisierung durch Hubschraubergeräusche. Ihre Enkelin Lilli (11) male Kriegsbilder und wache nachts auf.
Die Befragungen durch die Gutachter dauerten länger als geplant, was zu Unterbrechungen führte. Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg kündigte an, künftig mehr Zeit für die Begutachtungen einzuplanen. Der Prozess wird am Montag und Dienstag mit weiteren Zeugen fortgesetzt.



