Premier in der Krise: Keir Starmer wollte das britische Chaos beenden. Jetzt steckt er selbst drin. Skandale, Entlassungen, ein Premier, der angeblich von nichts wusste: Großbritannien fragt sich, ob Labour wirklich anders regiert als die Tories. Ausgerechnet vor den Kommunalwahlen wird es für Keir Starmer eng.
Der Traum vom Neuanfang
Als Keir Starmer vor knapp zwei Jahren das Amt des Premierministers übernahm, versprach er einen radikalen Bruch mit der Ära der Konservativen. Die Tory-Regierung unter Boris Johnson und seinen Nachfolgern hatte das Land mit einer Reihe von Skandalen erschüttert, von Partygate über Vetternwirtschaft bis hin zur wirtschaftlichen Misere. Starmer, der als seriöser Jurist und ehemaliger Menschenrechtsanwalt galt, sollte für Stabilität, Transparenz und einen Neuanfang stehen. Doch nun, kurz vor den wichtigen Kommunalwahlen im Mai 2026, sieht sich der Labour-Chef selbst mit schweren Vorwürfen konfrontiert.
Skandale und Entlassungen
In den vergangenen Wochen erschütterten mehrere Enthüllungen die Regierung. Zunächst wurde bekannt, dass ein enger Berater Starmers, der für die Kommunikationsstrategie zuständig war, während der Pandemie gegen Lockdown-Regeln verstoßen haben soll. Kurz darauf folgten Vorwürfe gegen einen Staatssekretär im Gesundheitsministerium, der private Interessen mit seinem Amt vermischt haben soll. Starmer reagierte prompt und entließ beide. Doch die Opposition und Teile der britischen Presse fragen sich, warum der Premier nicht früher eingeschritten sei. „Starmer wusste angeblich von nichts – das klingt nach den Ausreden der Tories“, kommentierte ein Oppositionspolitiker.
Der Druck wächst
Die Kommunalwahlen am 7. Mai 2026 werden als erster großer Stimmungstest für die Labour-Regierung gesehen. Noch vor wenigen Monaten schien die Partei uneinholbar vorne zu liegen. Doch die jüngsten Skandale haben die Umfragewerte einbrechen lassen. In einigen Bezirken, die traditionell als Labour-Hochburgen gelten, zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Konservativen ab. „Die Wähler haben Labour eine Chance gegeben, aber nun zeigen sie, dass sie nicht besser sind als die Tories“, sagt eine politische Analystin. „Das Vertrauen ist schnell verspielt.“
Die Frage nach der Führung
Immer lauter werden auch innerhalb der Labour-Partei Stimmen, die Starmers Führungsstil infrage stellen. Kritiker werfen ihm vor, zu zögerlich zu handeln und zu sehr auf Konsens zu setzen. „Wir brauchen einen klaren Kurs und keine Ausflüchte“, sagte ein Hinterbänkler. Starmer selbst versucht, die Wogen zu glätten. In einer Rede betonte er, dass er aus den Fehlern der Vorgängerregierung gelernt habe und nun hart durchgreife. „Ich werde nicht zulassen, dass Einzelfälle unsere Arbeit für das Land überschatten“, so der Premier. Doch ob diese Botschaft bei den Wählern ankommt, wird sich am Wahlabend zeigen.
Vergleich mit den Tories
Die Opposition unter den Tories nutzt die Gelegenheit, um Labour als genauso skandalträchtig darzustellen wie die eigene Partei. „Starmer hat sein Versprechen gebrochen, sauber zu regieren“, sagte der Tory-Vorsitzende. „Er ist genauso schlimm wie wir – nur mit einem anderen Anzug.“ Diese Taktik könnte aufgehen, denn viele Briten sind von der Politik im Allgemeinen enttäuscht. Die Wahlbeteiligung droht zu sinken, was vor allem Labour schaden könnte.
Ausblick
Die nächsten Tage werden zeigen, ob Starmer die Wende schafft. Er kündigte an, ein neues Ethik-Gremium einzusetzen, das künftig alle Regierungsmitglieder überwachen soll. Doch ob das reicht, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, ist fraglich. Fest steht: Der Premier, der das Chaos beenden wollte, steckt nun selbst mittendrin – und die Kommunalwahlen werden zur ersten Nagelprobe für seine Regierung.



