Die unter Spionageverdacht für Russland festgenommene Berliner Unternehmerin Ilona W. wehrt sich gegen ihre Untersuchungshaft. Ihre Anwälte Corinna Stieg und Martin Schüßler haben einen Haftprüfungsantrag beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe gestellt. Ein mündlicher Verhandlungstermin beim zuständigen Ermittlungsrichter wurde für Mittwoch anberaumt.
Die Verteidigung erhofft sich von der Haftprüfung „Erkenntnisse über die konkret vorgeworfenen Tathandlungen sowie eine Eingrenzung des Tatvorwurfs“. Ilona W. selbst habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. In ihrem Antrag kritisieren die Verteidiger die „weite Auslegung der Bundesanwaltschaft für den Straftatbestand der geheimdienstlichen Agententätigkeit nach der sogenannten Mosaiktheorie“, die auch das „Sammeln und die Weitergabe öffentlich zugänglicher Dokumente“ umfasse.
Die 56-jährige Deutsch-Ukrainerin wurde am 21. Januar vom Bundeskriminalamt festgenommen. Der Generalbundesanwalt wirft ihr „geheimdienstliche Agententätigkeit“ für Russland vor. Laut Ermittlungen soll sie seit November 2023 einen Kontaktmann in der russischen Botschaft in Berlin mit sensiblen Informationen versorgt haben. Bei dem Mann handelt es sich um einen als Vizeattaché getarnten GRU-Offizier, der Deutschland inzwischen verlassen musste.
Konkret soll Ilona W. Hintergrundinformationen zu Teilnehmern hochkarätiger Veranstaltungen gesammelt haben, darunter der „NATO-Talk“ im November 2023 im Hotel Adlon und das Deutsch-Ukrainische Wirtschaftsforum im Dezember 2025 in Berlin. Bei letzterem saß sie nur wenige Meter hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Zudem soll sie im Februar 2024 ihren mutmaßlichen Agentenführer in eine Versammlung von Bundeswehrreservisten eingeschleust haben.
Ilona W. betrieb einen Verein zur Pflege der Völkerverständigung und war auf diplomatischen und politischen Veranstaltungen präsent. Dem Kuratorium ihres Vereins gehören namhafte Unternehmer sowie ehemalige Abgeordnete von SPD und CDU an.



