SPD-Politiker fordert Boykott nach AfD-Spende von Möbel-Milliardär
Der ehemalige Berliner Baustadtrat Kevin Hönicke (SPD) hat einen deutlichen Aufruf an alle Demokratinnen und Demokraten gerichtet: Er fordert einen Kaufboykott gegen den Möbelkonzern Höffner. Der Grund für diese ungewöhnliche politische Aktion ist eine Parteispende in Höhe von 18.000 Euro, die der Höffner-Chef und Milliardär Kurt Krieger an die AfD getätigt hat.
Von Kooperation zu Konfrontation
Bis Mitte 2024 arbeiteten Hönicke und Krieger noch gemeinsam an Bebauungsplänen und Investitionsvorhaben im Berliner Bezirk Lichtenberg. Der SPD-Politiker, der inzwischen wieder als Gymnasiallehrer für Physik und Mathematik tätig ist, bezeichnet seine damalige Kooperationsbereitschaft heute als Fehler. „18.000 Euro für eine Partei, die unsere Demokratie verächtlich macht. Das ist keine private Randnotiz. Das ist eine bewusste politische Unterstützung“, erklärt Hönicke seine radikale Kehrtwende.
Milliardär verteidigt Spende als Privatsache
Kurt Krieger, der in seiner Jugend bei den sozialistischen Falken aktiv war und eigentlich Pfarrer werden wollte, hatte seine Spende an die AfD mit einer persönlichen Entscheidung begründet. Gegenüber Medien betonte der 77-Jährige: „Mein Unternehmen ist politisch völlig neutral.“ Er selbst schätze „dufte Typen“ in allen Parteien und verwies auf unterschiedliche Spendenkulturen: „In Deutschland sind Parteispenden negativ belegt. Jedem wird gleich versuchte Einflussnahme unterstellt. In Amerika ist das ganz anders.“
Boykott als demokratisches Mittel
Hönicke sieht in seinem Aufruf jedoch ein legitimes Mittel demokratischer Meinungsäußerung. „Ich rufe alle Demokratinnen und Demokraten auf: Prüft selbst, wo ihr euer Geld lasst“, postete der SPD-Politiker in sozialen Medien. Sein Beitrag erreichte innerhalb kürzester Zeit eine enorme Reichweite – allein auf Facebook wurde er bis Mittwoch über 300.000 Mal geteilt.
Historische Vergleiche und Abgrenzungen
Der Politiker weist dabei Vergleiche mit historischen Boykottaktionen entschieden zurück. Auf Nachfragen zu antisemitischen Kaufboykotts während der NS-Zeit oder der heutigen BDS-Bewegung entgegnet Hönicke: „Herr Krieger hat diese Ängste nicht zu befürchten.“ Es gehe ihm ausschließlich um die politische Signalwirkung der Spende an eine Partei, die aus seiner Sicht demokratiefeindliche Positionen vertritt.
Konsequenzen auch im Privaten
Für sich selbst zieht der SPD-Politiker konkrete Konsequenzen: In Zukunft will er keine Möbel mehr bei Höffner kaufen. Allerdings gesteht Hönicke ein, dass er bereits vorhandene Möbel des Unternehmens behalten wird – in seinem Wohnzimmer stehen weiterhin ein ausziehbarer Holztisch, eine Couch und ein 600-Euro-Schrank des boykottierten Konzerns.
Die Kontroverse zeigt, wie sehr Parteispenden in Deutschland polarisieren können und welche politischen Konsequenzen private Finanzierungsentscheidungen heute nach sich ziehen. Während Krieger auf die Trennung von privater Spendentätigkeit und unternehmerischer Neutralität pocht, sieht Hönicke in der finanziellen Unterstützung der AfD einen Akt politischer Positionierung, der nicht folgenlos bleiben dürfe.



