Bewegender Staatsakt für Rita Süssmuth: Bundestag verabschiedet sich von einer großen Demokratin
Staatsakt für Rita Süssmuth: Bundestag verabschiedet große Demokratin

Bewegender Abschied von einer prägenden Politikerin

Unter der historischen Kuppel des Reichstagsgebäudes herrschte am Dienstagmittag eine ungewohnte Stille. Der Deutsche Bundestag verabschiedete sich mit einem feierlichen Trauerstaatsakt von Rita Süssmuth, die im Alter von 88 Jahren verstorben war. Die ehemalige Bundestagspräsidentin hatte das Parlament über ein Jahrzehnt lang maßgeblich geprägt – länger als jeder andere Amtsinhaber mit Ausnahme von Norbert Lammert.

Das politische Deutschland in Trauer vereint

Die Ehrentribüne zeigte ein beeindruckendes Bild der Einheit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Altkanzlerin Angela Merkel, Ex-Kanzler Olaf Scholz und der amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz hatten sich ebenso eingefunden wie frühere Bundestagspräsidenten verschiedener Parteien. Diese breite, parteiübergreifende Versammlung spiegelte genau den verbindenden Charakter wider, für den Rita Süssmuth stets bekannt war. Auffällig war dagegen die geringe Präsenz der AfD-Fraktion, von der nicht einmal die Hälfte der Abgeordneten anwesend war.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigte in ihrer bewegenden Ansprache den Mut und den Eigensinn ihrer Amtsvorgängerin. Sie zitierte aus Süssmuths Autobiografie den prägnanten Satz: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ und erinnerte an deren charakteristische Antwort auf Widerstände: „Das wollen wir mal sehen.“ Klöckner betonte nachdrücklich: „Manche prägen ihre Zeit. Manche aber prägen wie eine Zeit diese selbst.“

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Friedrich Merz erinnert an eine unerschütterliche Optimistin

Bundeskanzler Friedrich Merz hielt eine tief bewegende Gedenkrede, in der er das Porträt einer Politikerin zeichnete, die sich zeitlebens der Frage widmete, wie ein Staat der Menschenwürde dienen könne. Er beschrieb sie als „unerschütterlich optimistisch“ und zitierte ihre mahnende Frage: „Ist denn der Mensch den Politikern verloren gegangen?“ Merz unterstrich, dass Rita Süssmuth in ihrem gesamten politischen Wirken stets „unser Land zum Besseren“ gefordert habe.

Der Publizist Heribert Prantl würdigte die Verstorbene als „Möglichmacherin“ und beherzte Demokratin. Seine Rede nahm jedoch an mehreren Stellen deutlich politische Akzente, insbesondere für ein liberaleres Abtreibungsrecht und eine offenere Migrationspolitik. Diese Positionierungen führten zu unterschiedlichen Reaktionen im Plenum: Während Abgeordnete der Grünen und der Linken applaudierten, blieben die Vertreter der Unionsfraktion an diesen Stellen demonstrativ still. Ein Moment, der sinnbildlich zeigte, dass Rita Süssmuth auch innerhalb ihrer eigenen Partei immer wieder aneckte.

Ein Vermächtnis für die Demokratie

Trotz aller politischen Differenzen stand an diesem denkwürdigen Tag der tiefe Respekt vor einer Frau im Mittelpunkt, die sich niemals beugte, die stritt ohne zu spalten und die Demokratie als lebendigen Auftrag verstand. Zum Abschluss seiner Rede zitierte Kanzler Merz die prägenden Worte von Rita Süssmuth aus dem Jahr 1990: „Demokratische Traditionen verpflichten…“ – ein Vermächtnis, das weit über diesen Trauerakt hinaus Bestand haben wird.

Der Staatsakt im Reichstagsgebäude wurde damit nicht nur zu einer würdevollen Verabschiedung, sondern auch zu einem eindrucksvollen Bekenntnis zu den demokratischen Werten, für die Rita Süssmuth ihr ganzes politisches Leben lang eingestanden war. Ihre Tochter Claudia Süssmuth Dyckerhoff nahm die Anteilnahme der politischen Prominenz sichtlich bewegt entgegen, während das Parlament in seiner Gesamtheit Abschied von einer der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsdemokratie nahm.

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