Virologe Hendrik Streeck: Vom Forscher zum Politiker – »Politik ist anstrengender als gedacht«
Streeck: Politik anstrengender als gedacht

Vom Labor in den Bundestag: Hendrik Streecks politischer Alltag

Seit knapp einem Jahr hat der Virologe Hendrik Streeck einen neuen Arbeitsplatz: Statt im Forschungslabor sitzt der 48-Jährige nun für die CDU im Deutschen Bundestag. Der Wechsel von der Wissenschaft in die Politik hat den ehemaligen Corona-Experten nach eigenen Worten überraschend stark gefordert. »Ganz ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass Politik so anstrengend ist«, gesteht Streeck im Gespräch mit dem »SZ-Magazin«.

Fremdbestimmung statt eigenständiger Forschung

Der Kontrast zu seinem früheren Berufsleben könnte größer nicht sein. »Vorher habe ich selbstständig geforscht, Anträge gestellt, Bücher geschrieben«, erinnert sich der Wissenschaftler. Heute reagiere er hauptsächlich auf Anfragen und die aktuelle Nachrichtenlage. »Ich bin permanent fremdbestimmt«, beschreibt Streeck seine neue Realität. Neben seinem Mandat leitet er weiterhin das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und ist seit Mai 2025 zusätzlich als Drogenbeauftragter der Bundesregierung tätig.

Der politische Tagesablauf: Zwischen Hetze und Gestaltungsspielraum

»Einerseits ist man permanent gehetzt, andererseits macht es großen Spaß, Dinge gestalten zu können«, fasst Streeck seine ambivalenten Erfahrungen zusammen. Ein Großteil seiner Tage bestehe darin, »dass man permanent irgendwo sitzt und anderen zuhören muss«. Oft sei das durchaus interessant, doch manchmal stelle sich auch die Frage: »Mein Gott, was reden die da?«

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Die Sitzungswochen in Berlin vergleicht der Abgeordnete mit einer anstrengenden Klassenfahrt:

  • Erste Termine beginnen bereits um 7.30 Uhr
  • Schlafenszeit liegt regelmäßig nach Mitternacht
  • Am Freitag kehrt man »fix und fertig« nach Hause zurück
  • Dort warten oft noch Termine im Wahlkreis

»Du würdest dir gern eine Pizza bestellen und Netflix schauen, hast aber oft noch Verpflichtungen«, so der Politiker.

Pandemie-Erfahrungen als Motivation

Trotz der Strapazen bereut Streeck seinen Karrierewechsel nicht. Die Erfahrungen während der Coronapandemie hätten ihn letztlich dazu bewegt, in die Politik zu gehen. »Ich habe gemerkt, wie sich Politik und Wissenschaft gegenseitig instrumentalisieren, ja manipulieren«, erklärt er. Politiker hätten seiner Beobachtung nach an den Menschen vorbeigearbeitet und wissenschaftlich umstrittene Positionen als Fakten dargestellt. »Ohne die Erfahrungen aus dieser Zeit wäre ich nie in die Politik gegangen«, betont Streeck.

Während der Pandemie war der Virologe als Berater und Experte bekannt geworden. Seine kritischen Äußerungen zur politischen Pandemiebewältigung sorgten regelmäßig für Diskussionen. Diese Erfahrungen prägen nun seinen politischen Alltag, in dem er zwischen wissenschaftlicher Expertise und politischer Praxis vermitteln muss.

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