Wegner wirft Rückzug: Seitenhieb gegen Giffey – „war nie mein Anspruch“
Wegners Rückzug: Seitenhieb gegen Giffey

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat am Freitagnachmittag überraschend seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl im September 2026 erklärt. Der Schritt erfolgt als Konsequenz aus der anhaltenden Kritik an seinem Krisenmanagement während des großen Stromausfalls im Januar. „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht“, räumte Wegner ein. Er werde aber bis zur Wahl am 20. September und der Bildung eines neuen Senats im Amt bleiben.

Kein Senatorenposten für Wegner

Wie es nach der Wahl für ihn politisch weitergeht, ließ Wegner offen. Klar stellte er jedoch, dass er kein Senator in einer neuen Regierung werden möchte. „Ich schließe komplett für mich aus, ein Senatorenamt zu übernehmen“, sagte der Noch-CDU-Landeschef. Er schätze die Fachkollegen und deren Arbeit, „aber das wäre nicht meins“. Mit Blick auf seine Zeit als Regierender Bürgermeister ergänzte er: „Wenn man einmal Regierender Bürgermeister war, dann geht man nicht mehr zurück in ein anderes Amt, auf Senatsebene. Das war nie mein Anspruch.“

Diese Aussage wird als deutlicher Seitenhieb gegen seine Koalitionspartnerin Franziska Giffey (SPD) gewertet. Giffey war von Dezember 2021 bis April 2023 Regierende Bürgermeisterin, wechselte nach der verlorenen Wiederholungswahl im Februar 2023 jedoch auf den Posten der Wirtschaftssenatorin. Bei jener Wahl war die SPD um drei Prozentpunkte auf 18,4 Prozent abgesackt.

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Atmosphärische Störungen zwischen Wegner und Giffey

Das Verhältnis zwischen Wegner und Giffey galt stets als zweckorientiert, war aber immer wieder Spannungen ausgesetzt. Erst Anfang Juli 2026 hatte Giffey den Anspruch der SPD auf das Amt des Regierungschefs untermauert und Wegner charakterliche Schwächen vorgeworfen. Im Interview mit dem „Tagesspiegel“ sagte sie mit Blick auf Wegners Tennismatch während des Stromausfalls im Januar: „Es gibt nicht umsonst den Spruch: In der Krise zeigt sich der Charakter. Da gibt es bei vielen Wählern zu Recht Enttäuschungen.“

Bereits im Januar 2024 hatte Giffey Zweifel an Wegners Fähigkeit geäußert, Berufliches und Privates ausreichend zu trennen – damals bezogen auf seine Liebesbeziehung mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Giffey forderte damals: „Es geht darum, Rechtsklarheit zu schaffen und konkrete Vorgehensweisen für die strikte Trennung von privaten und beruflichen Interessen festzulegen – vor allem für den Konfliktfall.“

Stefan Evers als neuer Spitzenkandidat gehandelt

Nach Wegners Rückzug zeichnet sich in der Berliner CDU eine Nachfolge ab. Laut Informationen der Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen der Kreisvorsitzenden gilt Finanz- und Kultursenator Stefan Evers als Favorit für die Spitzenkandidatur. Unter den zwölf Kreisvorsitzenden sei er der Wunschkandidat, hieß es am Freitag. Die offizielle Entscheidung steht jedoch noch aus.

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