Wenige Wochen vor der Entscheidung über die Kandidatenkür der Union für das Amt des Bundespräsidenten muss sich Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61, CSU) einer Knie-Operation unterziehen. Die 61-Jährige, die als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier gilt, kündigte an, sich mindestens vier Wochen aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.
Ilse Aigner: „Mein Knie ist kaputt“
„Ich muss eine Verletzungspause einlegen, weil mein Knie kaputt ist“, erklärte Aigner bei einem Sommerfest in München. Den Juli wolle sie noch im Amt absolvieren, da die Sitzungszeit des Bayerischen Landtags am 23. Juli endet. Danach stehe die Operation an: Sie bekommt eine Teilprothese im Knie. Für Erholung und Rehabilitation plane sie reichlich Zeit ein – anders als CSU-Chef Markus Söder, der sich in den Weihnachtsferien ein neues Hüftgelenk einsetzen ließ und bereits nach einer Woche wieder Interviews gab. Zwei Wochen nach der Operation nahm er auf Krücken an einer Klausurtagung der CSU-Bundestagsabgeordneten teil.
Aigner stellt dagegen Gesundheit über Geschwindigkeit. „Ich muss sehen, wann ich im September wieder einsatzfähig bin“, sagte sie. Davor werde sie nicht verfügbar sein, mindestens vier Wochen lang. Der erste entscheidende Termin für sie sei die Mitte September stattfindende dreitägige Klausur der CSU-Landtagsfraktion.
Entscheidung über Bundespräsidenten-Kandidatur nach Ost-Wahlen
In derselben Zeit werden jedoch bereits die Karten für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier (70, SPD) gemischt. Voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober will die Union über die Kandidatenfrage entscheiden. „Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin“, heißt es dazu von Unionspolitikern. Weitgehender Konsens sei: Eine Frau soll das Amt übernehmen. Im Rennen ist auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (61, CDU) aus Schleswig-Holstein.
Söder unterstützt Aigner – aber sie schweigt zu Ambitionen
Über ihre eigenen Ambitionen spricht Aigner nicht öffentlich. Ihr Parteivorsitzender Markus Söder hatte sie jedoch im April mit einem Überraschungsvorstoß praktisch zur Kandidatin ernannt. „Die Union wird nach dem Sommer einen Vorschlag machen. Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung“, sagte er in einem Interview mit dem „Münchner Merkur“. Aigner und Söder gelten seit Jahren als politische Konkurrenten, doch nun unterstützt er sie für das höchste Staatsamt.



