Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich in einem Interview deutlich zur politischen Lage in Deutschland geäußert. Angesichts der Umfragewerte, die die AfD in Sachsen an die Spitze sehen, warnt er vor einer Politik des „bloßen Ausgrenzens“. Stattdessen plädiert der CDU-Politiker für mehr Dialog und Bewegungsspielräume.
Kretschmer: „Überall brennt die Brandmauer durch“
In dem Gespräch mit dem SPIEGEL machte Kretschmer deutlich, dass die sogenannte Brandmauer zur AfD in vielen Bereichen bereits durchlässig sei. Er sagte: „Gerade brennt überall die Brandmauer durch.“ Dies sei eine Folge der politischen Strategie, die AfD lediglich auszugrenzen, ohne sich mit den Ursachen ihrer Stärke auseinanderzusetzen.
Kritik an der Bundesregierung
Der Ministerpräsident erhob schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Er bemängelte, dass viele Entscheidungen als alternativlos dargestellt würden, was zu einer Verengung der politischen Spielräume führe. „Wenn wir alles für alternativlos erklären, haben wir keine Bewegungsspielräume“, so Kretschmer. Dies treibe Wähler in die Arme der AfD.
Appell an die Mitte
Kretschmer rief die demokratischen Parteien dazu auf, mehr auf die Sorgen der Bürger einzugehen. Er betonte, dass die Mitte der Gesellschaft eine Chance gegen die Rechtsextremisten habe, wenn sie bereit sei, neue Wege zu gehen. Die pauschale Ausgrenzung der AfD sei kontraproduktiv, da sie die Partei nur stärke.
Das Interview, geführt von Maria Fiedler und Steffen Winter, erschien in der Ausgabe 26/2026 des SPIEGEL. Kretschmer äußerte sich darin auch zur wirtschaftlichen Lage Sachsens und zur Migrationspolitik. Er forderte eine sachlichere Debatte und mehr Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.



