Linken-Chef Pantisano: „Das war ein krasser Fehlstart“
Pantisano: „Das war ein krasser Fehlstart“

Luigi Pantisano ist am Samstag auf dem Bundesparteitag der Linken in Potsdam zum neuen Co-Vorsitzenden gewählt worden – allerdings mit nur 53 Prozent der Stimmen. Der 48-Jährige, der gemeinsam mit der Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner die Partei führen soll, sprach im Anschluss selbst von einem „krassen Fehlstart“. SPIEGEL-Redakteur Marc Röhlig, der vor Ort war, ordnet die Hintergründe der knappen Wahl ein.

Nur knapp über die Hälfte: Pantisanos Ergebnis überrascht

Pantisano erhielt 53 Prozent der Delegiertenstimmen – ein für einen neuen Vorsitzenden ungewöhnlich schwaches Ergebnis. Zum Vergleich: Seine Vorgängerin Janine Wissler hatte bei ihrer Wahl 2022 noch 78 Prozent erzielt. „Das ist ein deutliches Signal, dass die Partei zerrissen ist“, kommentierte Röhlig. Pantisano selbst räumte ein, dass er sich mehr Zustimmung erhofft hatte: „Ich hatte mir ein besseres Ergebnis gewünscht, aber jetzt gilt es, die Partei zu einen.“

Hintergründe der knappen Wahl: Streit um Kurs und Personal

Nach Angaben von Röhlig war das Votum Ausdruck eines tiefen Grabenkampfs zwischen dem linken Flügel und dem Realo-Lager. Pantisano, der dem linken Flügel zugerechnet wird, hatte sich intern gegen mehrere Mitbewerber durchgesetzt, darunter die Co-Bundesgeschäftsführerin Katina Schubert. Die Stimmung auf dem Parteitag sei „angespannt“ gewesen, so Röhlig. Zudem belastete eine hitzige Debatte über den Israel-Beschluss die Atmosphäre: Die Linke hatte zuvor den Völkermordvorwurf gegen Israel zur Parteilinie gemacht – ein Schritt, der von vielen Delegierten kritisch gesehen wurde.

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Pantisano will nun Einheit und klare Kante

In seiner Antrittsrede rief Pantisano die Partei zur Geschlossenheit auf. „Wir müssen uns auf die Inhalte konzentrieren“, sagte er. Er kündigte an, die Linke stärker in der Sozialpolitik profilieren zu wollen und sich gegen die Sparpläne der Bundesregierung zu stellen, die unter anderem starke Einschnitte beim Wohngeld vorsehe. „Die Regierung plant ein Milliardensparziel, das die Ärmsten trifft – dagegen werden wir kämpfen“, so Pantisano.

Auswirkungen auf die Bundestagswahl: Umfragen im Keller

Die Linke steht vor der Bundestagswahl im Herbst 2026 in den Umfragen bei etwa fünf Prozent – ein historischer Tiefstand. Röhlig sieht in der knappen Wahl ein weiteres Warnsignal: „Die Partei wirkt nach innen zerstritten und nach außen nicht geschlossen. Das könnte Wähler kosten.“ Pantisano müsse nun schnell zeigen, dass er die Partei führen könne. „Er hat nur eine Chance, wenn er die Flügel zusammenbringt“, so Röhlig.

Pantisano: Vom Betriebsrat zum Parteichef

Luigi Pantisano, gelernter Industriekaufmann, war zuvor Betriebsrat bei Opel und zuletzt arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Er gilt als erfahrener Redner und gut vernetzt in der Partei, aber auch als polarisierend. „Er ist kein Mann der leisen Töne, das hat ihm manche Stimme gekostet“, sagte Röhlig. Nun hofft die Parteispitze, dass der Fehlstart nicht zum Dauerzustand wird. Der Parteitag endete mit einem Appell zur Einheit – ob der ankommt, bleibt abzuwarten.

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