Islamistische Propaganda im Netz: BKA meldet Rekordzahl an Löschanregungen für 2025
BKA: Rekordzahl an islamistischen Inhalten zur Löschung vorgeschlagen

Islamistische Inhalte im Netz: BKA verzeichnet drastischen Anstieg bei Löschanregungen

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im vergangenen Jahr einen signifikanten Anstieg bei der Identifizierung islamistischer Internetinhalte verzeichnet. Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2025 insgesamt rund 23.000 sogenannte Löschanregungen an Anbieter versendet, bei denen auf mögliche Verstöße gegen deren Allgemeine Geschäftsbedingungen hingewiesen wurde.

Vergleich zu Vorjahren zeigt deutliche Zunahme

Die Zahl der Löschanregungen für islamistische Inhalte hat sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich erhöht. Während zwischen 2020 und 2024 die jährlichen Zahlen zwischen 7.240 und 13.903 lagen, erreichte die Anzahl 2025 mit etwa 23.000 Fällen einen neuen Höchststand. Dieser Anstieg verdeutlicht die wachsende Präsenz extremistischer Inhalte in digitalen Räumen.

Erfolgsquote bei der Löschung steigt kontinuierlich

Positiv zu vermerken ist die steigende Erfolgsquote bei der tatsächlichen Entfernung der beanstandeten Inhalte. Laut Bundesregierung wurden im vergangenen Jahr 96 Prozent der islamistischen Beiträge nach einer Löschanregung gelöscht. Diese Quote zeigt eine kontinuierliche Verbesserung, nachdem 2024 noch gut 90 Prozent und 2023 knapp 80 Prozent der beanstandeten Inhalte entfernt wurden.

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Entfernungsanordnungen bei terroristischen Inhalten

Bei eindeutig terroristischen Inhalten greift eine strengere Regelung: Auf Basis einer EU-Verordnung können sogenannte Entfernungsanordnungen erlassen werden, die Anbieter verpflichten, Inhalte binnen einer Stunde zu löschen oder den Zugriff EU-weit zu sperren. 2025 wurden 215 solcher Anordnungen ausgesprochen, denen die Anbieter in allen Fällen nachkamen. Im Vorjahr 2024 hatte es 462 Entfernungsanordnungen gegeben, die in knapp 96 Prozent der Fälle umgesetzt wurden.

Gemeinsames Internetzentrum als Kooperationsplattform

Seit 2007 existiert das Gemeinsame Internetzentrum (GIZ) als zentrale Kooperationsplattform zur Erkennung extremistischer Inhalte im Netz und Identifizierung von Gefährdungslagen. An dieser Einrichtung sind neben dem Bundeskriminalamt auch das Bundesamt für Verfassungsschutz beteiligt. Während die Löschung strafbarer Inhalte grundsätzlich in die Zuständigkeit der Länder fällt, kann der Bund im Einzelfall unterstützen. Bei terroristischen Inhalten besitzt das BKA eine eigene Zuständigkeit.

Naschids: Von religiösen Lobgesängen zu Kampfaufrufen

Ein wesentlicher Grund für den starken Anstieg der Löschanregungen liegt im verstärkten Fokus auf Einzelnutzer in Deutschland sowie auf sogenannte Naschids. Traditionell handelt es sich bei Naschids um religiöse Lobgesänge, doch können diese auch islamistische Propaganda oder terroristische Aufforderungen zum Kampf enthalten. Diese Doppelnatur macht die Identifizierung problematischer Inhalte besonders herausfordernd.

Radikalisierung verlagert sich in digitale Räume

„Während die Täter immer jünger werden und drei von vier Anschlägen im letzten Jahr mit Hieb- und Stichwaffen ausgeübt wurden, verlagert sich die Radikalisierung zunehmend in den digitalen Raum“, erklärt Lamya Kaddor, Berichterstatterin für die Bekämpfung des Islamismus in der Grünen-Bundestagsfraktion. Besondere Sorge bereitet die Nutzung von Gaming-Plattformen wie Roblox oder Discord für radikalisierende Zwecke.

Präventive Maßnahmen gegen Radikalisierung über Gaming-Chats

Kritisch bewertet Kaddor die bisherigen Bemühungen der Bundesregierung bei präventiven und repressiven Maßnahmen gegen islamistische Radikalisierung über Gaming-Plattformen. Die Vernetzung extremistischer Akteure über Gaming-Chats stellt Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen, die eine Anpassung der Bekämpfungsstrategien erfordern.

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