Der ehemalige CDU-Generalsekretär und heutige Politik-Influencer Ruprecht Polenz spricht im Interview mit DEIN SPIEGEL über die Gefahren für die Demokratie, die Rolle der AfD und die Bedeutung von Zivilcourage. Polenz, der 1952 als Kind mit seiner Familie aus der DDR floh, erinnert sich an die Repressionen in der DDR: „Anfang der Fünfzigerjahre war es verboten, Westradio zu hören. Wir taten es trotzdem. Als meine Mutter mich dabei erwischte, wie ich auf der Straße Szenen aus dem Karl-May-Hörspiel ‚Schatz im Silbersee‘ nachspielte, wurde sie blass und erklärte mir, dass ich das nicht darf.“ Dieses Gefühl, sich nicht frei verhalten zu können, prägte ihn.
Demokratie erklären für die Enkel
Auf Drängen seiner Kinder schrieb Polenz ein Kinderbuch mit dem Titel „Wer bestimmt auf unserem Hof?“, das 2025 erschien. Darin greift er die Fabel „Farm der Tiere“ von George Orwell auf und entwickelt ein positives Ende: Die Tiere einigen sich auf demokratische Regeln. „Ich musste den Enkeln Demokratie erklären“, sagt Polenz. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist, Regeln gemeinsam zu bestimmen und Machtmissbrauch zu verhindern.
Die zwei Wölfe in der Brust
Polenz erläutert das Bild der zwei Wölfe, die in jedem Menschen kämpfen: einen guten und einen bösen. „Wir alle haben schlechte Eigenschaften wie Neid und Gier, aber auch Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft. Die AfD spricht gezielt die schlechten Eigenschaften an, macht Zugewanderte zu Sündenböcken und sagt: Weil die mehr haben, geht es dir schlecht.“ Dies sei ein Hauptgrund für den Erfolg der AfD.
Brandmauer gegen die AfD
Zur sogenannten Brandmauer gegen die AfD sagt Polenz: „Man darf mit dieser Partei keine gemeinsamen Sachen machen, man muss sie politisch ausgrenzen.“ Er kritisiert, dass auf kommunaler Ebene, etwa in Greifswald, die CDU einem AfD-Antrag zustimmte. „Das ist nicht in Ordnung.“ Stattdessen solle die CDU über drängendere Probleme wie die Rentenreform oder die Kriege von Trump und Putin diskutieren. „Die AfD hat dazu nichts zu bieten.“
Gefahren für die Demokratie
Polenz warnt vor der Aushöhlung der Demokratie durch Falschinformationen und Hetze, besonders auf Social-Media-Plattformen wie X. „Man kann nicht mit jemandem übers Wetter diskutieren, der sagt: Der Himmel ist grün.“ Er selbst bleibt auf X aktiv, um wichtige Beiträge zu liken und so mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. „Mit einem Like verschaffe ich dem Beitrag etwa 100 Views, mit einem Teilen über 1000 Views mehr.“
Zivilcourage und Klassensprecherwahl
In Schulklassen ermutigt Polenz Schüler, Zivilcourage zu zeigen. Er verweist auf ein berühmtes Foto, auf dem alle den Hitlergruß zeigen, nur einer nicht. „Scheinbar eine Kleinigkeit, aber in Wahrheit wahnsinnig mutig.“ Auch die Klassensprecherwahl erfordere Mut: „Es macht nichts, wenn man verliert. Auch das gehört zur Demokratie.“
Das vollständige Interview mit Ruprecht Polenz sowie weitere Beiträge zur Demokratie finden sich in der aktuellen Ausgabe von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichten-Magazin für Kinder. Das Heft ist am Kiosk erhältlich, ausgewählte Artikel online.



