Russland geht gegen Telegram vor: Gründer Durow im Fokus
Die russischen Behörden verschärfen ihre Repressionen gegen den populären Messengerdienst Telegram erheblich. Im Zentrum der jüngsten Entwicklungen steht nun der Gründer der Plattform, Pawel Durow, gegen den ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Die Justiz wirft ihm vor, mit seiner App terroristische Aktivitäten ermöglicht zu haben.
Strafverfahren und konkrete Vorwürfe
Laut dem Amtsblatt der russischen Regierung, der Rossijskaja Gaseta, die sich auf Angaben des Geheimdienstes FSB beruft, wurde das Verfahren gegen den seit Jahren im Ausland lebenden Durow eröffnet. Ihm wird die Unterstützung terroristischer Aktivitäten zur Last gelegt. Als Argumentation dient, dass Telegram bei der Durchführung schwerer Straftaten und Terroranschläge zum Einsatz gekommen sein soll.
Konkret wird angeführt, die Plattform sei beim Terroranschlag in der Crocus City Hall nahe Moskau im März 2024 mit 149 Toten sowie bei den Morden an der Kremlpropagandistin Daria Dugina und General Igor Kirillow genutzt worden. Diese Vorwürfe sind nicht gänzlich neu: Bereits in der Vergangenheit gab es in Europa Kritik an Durow, weil seine App kriminelle und extremistische Inhalte nicht ausreichend einschränke. In Frankreich war er deswegen zeitweise festgenommen worden, durfte das Land jedoch Ende 2025 wieder verlassen.
Telegram als angebliches Instrument der NATO
Die Rossijskaja Gaseta bezeichnet Telegram zudem als wichtigstes Instrument der Geheimdienste der NATO-Staaten und der Ukraine. Das Regierungsblatt argumentiert weiter, die Illusion der Anonymität habe eine Armee von Radikalen, Drogenabhängigen, Mördern und Terroristen in den Messenger gebracht, was zu einer Bedrohung für unsere Gesellschaft geworden ist. Der FSB hatte die App zuvor bereits als Sicherheitsrisiko eingestuft.
Da sich die Appbetreiber weigerten, den Forderungen der russischen Behörden nachzukommen, sehen sich diese nun gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. Medienberichten zufolge soll es der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor seit dem 10. Februar 2026 bereits gelungen sein, den Datenverkehr der App um 55 Prozent zu reduzieren. Diese Angaben lassen sich jedoch unabhängig nicht überprüfen.
Spürbare Einschränkungen für Nutzer
Die über 90 Millionen Telegram-Nutzer in Russland bemerken die zunehmenden staatlichen Restriktionen bereits deutlich:
- Nachrichten werden zeitweise nur verzögert gesendet.
- Fotos und Videos können gar nicht oder erst nach langen Ladezeiten aufgerufen werden.
- Sprachanrufe sind ohne ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) nicht mehr möglich.
Diese Maßnahmen sind Teil einer breiteren Strategie des Kremls, die digitale Kommunikation der russischen Bevölkerung in den staatseigenen Messenger Max zu lenken. Für Elternchats an Schulen und Chats in Wohnhäusern ist Max per Verordnung zur Pflicht erklärt worden. Die vormals beliebteste Messenger-App in Russland, WhatsApp, wurde zuletzt gänzlich blockiert.
Unmut in der Bevölkerung und bei der Armee
Trotz einer groß angelegten Werbekampagne für den staatseigenen Dienst Max bleibt dieser bei den Nutzerzahlen bislang hinter Telegram zurück. Der zunehmende Zwang bei der Wahl privater Messengerdienste sorgt in Russland für erheblichen Unmut. Besonders betroffen ist die russische Armee, wo Telegram im Alltag etwa an der Front in der Ukraine eingesetzt wird und bei Kriegsbloggern sowie Propagandisten beliebt ist. Die Restriktionen führen hier zu zusätzlichen Spannungen und Ärger.
Insgesamt zeigt die Eskalation gegen Telegram, wie der Kreml versucht, die Kontrolle über die digitale Infrastruktur zu festigen, während gleichzeitig internationale Vorwürfe der Terrorunterstützung die rechtliche und politische Lage für Gründer Pawel Durow weiter verkomplizieren.



