Nach 42 Jahren: Mordprozess gegen 62-Jährigen in Düsseldorf beginnt
Nach mehr als vier Jahrzehnten hat vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen einen 62 Jahre alten Mann wegen der Ermordung eines Psychologie-Professors begonnen. Der Angeklagte, der mittlerweile in Italien lebt, beteuert seine Unschuld und bestreitet die Vorwürfe entschieden.
Eröffnungsstatement der Verteidigung
In ihrem Eröffnungsstatement machte Verteidigerin Hannah Piel deutlich: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe“. Sie fügte hinzu: „Er ist erschüttert über die Festnahme 42 Jahre nach einer Tat, die er nicht begangen hat.“ Die Verteidigung wirft der damaligen Mordkommission vor, die Ermittlungen sehr einseitig geführt zu haben.
Details zum Mordfall von 1984
Der Psychologie-Professor war im April 1984 in seinem Wohnhaus in Hilden bei Düsseldorf erstochen worden. Staatsanwalt Murat Ayilmaz berichtete in der Verhandlung von 24 Messerstichen in Rücken, Nacken und den rechten Brustbereich. Der Professor lag „vollständig entkleidet“ in seinem Schlafzimmer, was auf eine heimtückische Tat hindeutet.
Cold-Case-Ermittlungen führen zu DNA-Treffer
Die mit dem Fall befassten „Cold Case“-Ermittler sind überzeugt, den Mord nach Jahrzehnten aufgeklärt zu haben. Bei der Neuaufrollung des Falls entdeckten sie in den Asservaten DNA-Spuren, die damals für die Polizei noch keinen Wert hatten. Bereits 1984 war der heutige Angeklagte ins Visier der Ermittler geraten, da sein Fingerabdruck an einem Teller in der Küche des Professors gefunden wurde.
Die Ermittler ließen dem Mann, der inzwischen in Italien lebte, eine DNA-Probe entnehmen. Diese passte zur DNA-Spur an der Leiche des Professors und an einem Tuch im Schlafzimmer. Daraufhin wurde der 62-Jährige angeklagt und an die deutsche Justiz ausgeliefert.
Verhandlungsablauf und Ausblick
Das Düsseldorfer Landgericht hat für diesen komplexen Fall zehn Verhandlungstage angesetzt. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf die neu entdeckten DNA-Beweise, während die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Ermittlungen in Frage stellt. Der Prozess wirft Fragen zur Verlässlichkeit von Cold-Case-Ermittlungen und zur Justiz nach extrem langen Zeiträumen auf.
Die Verhandlung verspricht, ein aufschlussreicher Fall für die deutsche Rechtsgeschichte zu werden, der die Grenzen von Beweisführung und Ermittlungstechniken über Jahrzehnte hinweg beleuchtet.



