München komplett in schwarz-grüner Hand: Wahlanalyse zeigt überraschende Ergebnisse
Die Auszählung der Münchner Stadtratswahl ist abgeschlossen und zeigt ein klares Bild: In allen 25 Stadtbezirken dominieren die Grünen und die CSU die politische Landschaft. Die Abendzeitung hat die detaillierten Ergebnisse analysiert und dabei einige unerwartete Entwicklungen festgestellt.
Historische SPD-Hochburg fällt an die Grünen
Bis Dienstagnachmittag sah es noch so aus, als würde die SPD in Milbertshofen-Am Hart ihren traditionellen Vorsprung behalten. Doch dann überholten die Grünen die Sozialdemokraten mit einem hauchdünnen Vorsprung von zwölf Stimmen – beide Parteien erreichten exakt 22,6 Prozent der Stimmen.
„Milbertshofen war immer eine Hochburg der SPD“, erklärt Fredy Hummel-Haslauer, der Vorsitzende des örtlichen Bezirksausschusses. „Hier leben noch viele Industriearbeiter mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.“ Doch der Bezirk verändert sich durch das neue Forschungs- und Innovationszentrum von BMW, das hochqualifizierte Arbeitsplätze schafft. „Die Grünen sind auch hier relativ stark geworden“, so Hummel-Haslauer.
AfD erzielt Spitzenwerte in Stadtrandbezirken
Besonders auffällig sind die Ergebnisse der Alternative für Deutschland:
- In Feldmoching-Hasenbergl erreicht die AfD 9,6 Prozent – ihr bestes Ergebnis in München und ein Plus von 4,1 Prozentpunkten
- Aubing-Lochhausen-Langwied folgt mit 8,5 Prozent, hier ist der AfD-Oberbürgermeisterkandidat Markus Walbrunn zu Hause
- Die geringsten Werte erzielt die AfD in der Ludwigs-/Isarvorstadt und Maxvorstadt mit jeweils 3,4 Prozent
Grüne verlieren Prozentpunkte, bleiben aber dominierend
Trotz leichter Verluste behaupten die Grünen ihre Spitzenposition:
- In der Ludwigs-/Isarvorstadt erreichen sie 35,8 Prozent, verlieren aber 3,8 Prozentpunkte gegenüber 2020
- In Au-Haidhausen büßen sie 4,8 Prozentpunkte ein, bleiben mit 34,9 Prozent aber stärkste Kraft
- Auf der Schwanthalerhöhe liegen sie mit 35,6 Prozent weit vorn, trotz eines Minus von 3,1 Prozent
In Au-Haidhausen gab es erbitterte Diskussionen um eine Fußgängerzone in der Weißenburger Straße. Die CSU, die sich dagegen aussprach, konnte leicht zulegen und wird mit 17,6 Prozent zweitstärkste Kraft. Deutlicher fällt der Zuwachs bei der Linken (8,6 Prozent) und Volt (6 Prozent) aus – beide Parteien verdoppelten ihr Ergebnis fast.
Linke erreicht Bestwerte, kleinere Parteien profitieren
Die Linke erzielt ihr bestes Ergebnis mit 12,5 Prozent auf der Schwanthalerhöhe. In Laim erklärt Josef Mögele, Chef des Bezirksausschusses der SPD, die Entwicklung mit dem Zuzug jüngerer Wähler und der Verdichtung des Stadtteils: „Alte Häuser werden abgerissen und die Grundstücke bis zum letzten Quadratmeter zugebaut.“
Von der Unzufriedenheit profitieren vor allem kleinere Parteien:
- Die Linke erreicht in Laim 7,5 Prozent (fast doppelt so viel wie 2020)
- Volt verdoppelt sich fast auf 5,1 Prozent
- Die AfD legt auf 6,3 Prozent zu
Überraschungen in der Maxvorstadt
Besonders interessant ist das Ergebnis in der Maxvorstadt mit dem Univiertel. Hier forderte die CSU ein Alkoholverbot und konnte 1,2 Prozentpunkte zulegen, kommt mit 20,6 Prozent auf Platz 2. Die Grünen verlieren 3,3 Prozentpunkte auf 33,7 Prozent – obwohl (oder weil?) ihr OB-Kandidat Dominik Krause sich erfolgreich gegen das Alkoholverbot einsetzte.
Die FDP erreicht in der Maxvorstadt 5,2 Prozent, ihr bestes Ergebnis erzielen die Liberalen jedoch in Altstadt-Lehel mit 7 Prozent. Ob dies mit der Plakataktion von FDPler Aljoscha Lubos zur Rettung der Eisbachwelle zusammenhängt oder der hohen Dichte an Gutverdienern, bleibt Spekulation.
In Altstadt-Lehel bleiben die Grünen mit 28,5 Prozent stärkste Kraft, dicht gefolgt von der CSU mit 27 Prozent. Die Rosa Liste erzielt ihr Münchner Spitzenergebnis mit 2,9 Prozent in der Ludwigs-/Isarvorstadt.
Die Wahlanalyse zeigt: München ist politisch tiefgrün-schwarz geprägt, doch unter der Oberfläche brodelt es. Die etablierten Parteien verlieren an Boden, während kleinere und alternative Gruppierungen von der Unzufriedenheit mit Stadtentwicklung und Verkehrsprojekten profitieren.



