Kommunalwahlkampf in München: OB Reiter wegen FC-Bayern-Posten unter Beschuss
In der bayerischen Landeshauptstadt München hat sich kurz vor der anstehenden Kommunalwahl am kommenden Sonntag ein politischer Disput um Oberbürgermeister Dieter Reiter (67, SPD) entzündet. Der Grund: Seine neu übernommene Position als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats beim FC Bayern München und das damit verbundene automatische Mitgliedschaft im Aufsichtsrat des Fußballvereins.
Vorwürfe des Interessenkonflikts und unklare Vergütung
Mehrere Fraktionen im Münchner Stadtrat, darunter Die Linke/Die Partei sowie die ÖDP/München Liste, haben Dringlichkeitsanträge eingebracht. Sie kritisieren, dass Reiter sich die Nebentätigkeit vorab hätte genehmigen lassen müssen und fordern detaillierte Auskünfte über Art, Umfang und Vergütung seiner Tätigkeit für den FC Bayern.
Im Antrag der ÖDP/München Liste wird konkret auf mögliche finanzielle Interessen hingewiesen: Von einem früheren Aufsichtsratsmitglied sei bekannt, dass es jährlich 75.000 Euro erhalten habe. Dies lege nahe, dass auch Reiter mehr als die nach Beamtenrecht genehmigungsfreien 10.000 Euro beziehe – ein Betrag, der eine vorherige Genehmigungspflicht auslösen würde.
Reiters Stellungnahme und ungeklärte Fragen
Oberbürgermeister Reiter selbst äußerte sich zu den Vorwürfen mit deutlichen Worten: "Ich weiß gar nicht, ob und in welcher Höhe es eine Vergütung gibt", erklärte er. Nach Informationen der BILD soll Reiter jedoch einen niedrigen fünfstelligen Betrag als Aufwandsentschädigung erhalten.
Der Rathauschef betonte zudem, dass er seine Funktionen beim FC Bayern als Privatperson ausübe und diese nicht an sein Amt als Oberbürgermeister gebunden seien. Sollte er nicht wiedergewählt werden, würde er den Aufsichtsratsposten beibehalten.
Weitere Streitpunkte, die in den Anträgen angesprochen werden:
- Ab wann genau Reiter dem Aufsichtsrat angehört
- Seit wann er im Handelsregister eingetragen ist
- Ob er den Stadtrat vorab über seine Tätigkeit informieren musste
Vorwürfe, er habe wissentlich die Unwahrheit gesagt, wies Reiter "mit aller Schärfe zurück".
Stadtrat vertagt Entscheidung – FC Bayern gelassen
Der Münchner Stadtrat hat das Thema am Mittwoch zunächst vertagt. Eine Mehrheit der Mitglieder möchte auf weitere Informationen zur Sachlage warten, da es derzeit vor allem um Mutmaßungen gehe. Man wolle auf Basis von Fakten entscheiden, so die Begründung.
Beim FC Bayern sieht man die Diskussion gelassen. Schließlich sitzen seit vielen Jahren regelmäßig Politiker in Gremien des Vereins, darunter frühere Ministerpräsidenten wie Edmund Stoiber (CSU) oder aktuelle Bundespolitiker wie Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Dorothee Bär (CSU), die beide im Verwaltungsbeirat aktiv sind.
Die Debatte um Reiters Nebenjob fällt in eine politisch sensible Phase: Nur wenige Tage vor der Kommunalwahl am kommenden Sonntag wirft sie Fragen nach Transparenz und möglichen Interessenkonflikten bei politischen Mandatsträgern auf.



