Münchens Stadtrat vor schwieriger Bündnissuche: Grün-Schwarz oder Grün-Rot?
Münchens Stadtrat vor schwieriger Bündnissuche

Münchens Stadtrat vor schwieriger Bündnissuche: Grün-Schwarz oder Grün-Rot?

München hat einen neuen Stadtrat gewählt, und die Suche nach stabilen Mehrheiten gestaltet sich äußerst komplex. Nach dem aktuellen Auszählungsstand vom Montagnachmittag präsentiert sich die politische Landschaft in der bayerischen Landeshauptstadt fragmentiert und voller offener Fragen.

Überraschende Ergebnisse und knappe Mehrheiten

Die Wahl brachte einige Überraschungen: Der Grünen-OB-Kandidat Dominik Krause erreichte 29,5 Prozent der Stimmen und liegt damit nur 6,1 Prozentpunkte hinter Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD). Besonders bemerkenswert: In den Wahlräumen überholte Krause den SPD-Politiker sogar um fast zwei Prozentpunkte. Reiters Position war durch die Enthüllung über nicht genehmigte Nebeneinnahmen vom FC Bayern in Höhe von 20.000 Euro jährlich sowie einen Aufsichtsratsposten beim Fußballkonzern geschwächt worden.

Im Stadtrat sind die Grünen mit 21 Sitzen erneut stärkste Kraft, gefolgt von der CSU mit 19 und der SPD mit 15 Sitzen. Das bisherige Bündnis aus Grünen, SPD, Volt und Rosa Liste verfügt mit 41 von 80 Sitzen weiterhin über eine hauchdünne Mehrheit. "Wir sind nicht abgewählt", betont Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger. "Wir freuen uns über das Vertrauen, das uns die Münchner wieder geschenkt haben."

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Die Positionen der Parteien

Die Grünen zeigen sich kämpferisch. Parteichef Florian Siekmann erklärt: "Jetzt ist alles drin. Wir werden in den nächsten zwei Wochen überall präsent sein." Mit 6.000 Mitgliedern sind die Grünen doppelt so stark wie 2020 – keine andere Münchner Partei hat derzeit mehr Mitglieder. "Jede Stunde melden sich Freiwillige, die sich jetzt einbringen wollen", so Siekmann.

Volt, die mit vier Stadträten einzieht, unterstützt Krause in der Stichwahl, da er sich "ebenfalls für eine fortschrittliche Politik einsetzt". Auch die Rosa Liste kündigt Unterstützung für den Grünen-Kandidaten an. Bernd Müller von der Rosa Liste betont, man wolle weiterhin eng mit den Grünen zusammenarbeiten, auch wenn formelle Fraktionen aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich sind.

Zurückhaltung bei anderen Parteien

Die CSU zeigt sich zurückhaltend. Fraktionschef Manuel Pretzl erklärt: "Es ist noch zu früh über Bündnisse nachzudenken." Die Christsozialen kommen auf 19 Sitze und etwa 25 Prozent der Stimmen – ähnlich wie bei der letzten Kommunalwahl. Ein grün-schwarzes Bündnis mit der Rosa Liste hätte rechnerisch eine Mehrheit von nur einer Stimme.

SPD-Chef Christian Köning räumt ein: "Die letzten Tage waren natürlich nicht gut für die SPD." Die Sozialdemokraten verlieren drei Sitze und kommen nur noch auf 15 Mandate. Köning schließt ein Bündnis mit der AfD (5 Sitze) aus und zeigt sich skeptisch gegenüber einer Kooperation mit der Linken (ebenfalls 5 Sitze), die die Debatte um Reiters Nebenjobs maßgeblich vorangetrieben hatte.

Neutrale Haltungen und spezifische Forderungen

Die Linke gibt keine Wahlempfehlung für die Stichwahl ab. Fraktionschef Stefan Jagel plant stattdessen, die OB-Kandidaten zu bestimmten Themen zu befragen – insbesondere zum geplanten Abschiebeterminal am Münchner Flughafen, von dem aus bis zu 100 Personen täglich abgeschoben werden könnten.

Die FDP (3 Sitze) bleibt in der Stichwahl neutral. Fraktionschef Jörg Hoffmann kann sich mit beiden Kandidaten eine Zusammenarbeit vorstellen. Die ÖDP verliert einen Sitz und kommt nur noch auf zwei Mandate. Parteichef Tobias Ruff betont: "Unsere Wähler müssen inhaltlich überzeugt werden."

Ausblick auf die Stichwahl und Koalitionsbildung

Die kommenden zwei Wochen werden entscheidend sein. Während die Grünen bereits in der Nacht nach der Wahl neue Plakate in Laim, der Innenstadt und Bogenhausen aufgehängt haben, bereitet auch die SPD ihren Straßenwahlkampf mit Dieter Reiter vor. Die endgültige Zusammensetzung des Stadtrats und mögliche Koalitionen hängen maßgeblich vom Ausgang der Stichwahl am 23. März 2026 ab.

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Fest steht: München steht vor einer politisch spannenden und unsicheren Zeit. Die knappen Mehrheiten und unterschiedlichen Positionen der Parteien lassen sowohl ein grün-schwarzes als auch ein grün-rotes Bündnis theoretisch möglich erscheinen, doch praktische Umsetzungen werden schwierige Verhandlungen erfordern.