Ueckermünder Jugendbeirat aufgelöst: Suche nach neuen Wegen der Jugendbeteiligung
Der Ueckermünder Kinder- und Jugendbeirat (KiJuBei) existiert nicht mehr. Diese klare Feststellung traf Susanna Brickmann, Mitarbeiterin der Hauptamtsleiterin der Stadt Ueckermünde, in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Der letzte Vorsitzende Niclas Jelitte hatte seinen Rücktritt zum 1. März angekündigt und damit das Ende des Gremiums besiegelt.
Ein kurzes Kapitel Jugendbeteiligung
Der Jugendbeirat wurde 2021 nach Konflikten zwischen Einwohnern und Jugendlichen in Ueckermünde Ost ins Gespräch gebracht und 2023 erstmals von den Kindern und Jugendlichen der Stadt gewählt. Doch das Gremium hatte nicht einmal drei Jahre Bestand. Niclas Jelitte begründete seinen Rücktritt mit knappen zeitlichen Kapazitäten während seiner Berufsausbildung sowie mit unterschiedlichen Vorstellungen von den Strukturen und der Arbeit des KiJuBei.
Laut Satzung hätte es nun eigentlich eine Neuwahl geben müssen, wie Susanna Brickmann erläuterte. Doch dafür stehen derzeit keine interessierten Kinder und Jugendlichen bereit. „Wie es weitergeht, kann ich Ihnen nicht sagen“, so die Rathaus-Mitarbeiterin. „Wir können auch keinen Beirat erzwingen.“
Ideen für einen Neustart werden geprüft
In der Ausschusssitzung wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie die Jugendbeteiligung in Ueckermünde wiederbelebt werden könnte. Katrin Zeitz, Leiterin der Kämmerei und des Hauptamtes, wünscht sich einen Träger wie in Torgelow, wo das Familienbündnis Uecker-Randow beteiligt ist. Auch Unterstützung vom Kreisjugendring könnte sie sich vorstellen. Ohne solche Hilfe funktioniere es einfach nicht, betonte sie.
Erland Scholz (BfVG) brachte die Schulsozialarbeiter ins Gespräch, die sich vielleicht der Jugendlichen annehmen könnten. Doch Anne Gerlach (Gemeinsam für Ueckermünde), die erste Vorsitzende des KiJuBei war und jetzt im Referendardienst arbeitet, entgegnete, dass diese bereits genug zu tun hätten.
Regionale Zusammenarbeit als mögliche Lösung
Eine besonders interessante Idee, die in der Diskussion geboren wurde, ist ein gemeinsamer Jugendbeirat für Torgelow, Eggesin und Ueckermünde. Ähnlich wie bereits die Seniorenbeiräte könnten sich die Jugendlichen auf einer höheren Ebene mit den drei Städten zusammenfinden. „Die Jugendlichen hätten auch alle ähnliche Wünsche und Probleme“, so der Ausschussvorsitzende Thomas Bauch-Kröhnert (Gemeinsam für Ueckermünde).
Die Ueckermünder Jugendlichen wünschen sich primär einen Jugendtreff als einen Ort ohne Aufsicht, wie Susanna Brickmann berichtete. Das Zusammengehen mit anderen Städten wäre auch für Anne Gerlach eine gute Idee: „Dann könnte man schauen, was wir gemeinsam machen können.“ Die Verantwortung wäre auf mehreren Schultern verteilt, wie Dagmar Borgwardt (AfD) anmerkte.
Das grundlegende Problem: fehlendes Interesse
Jens Albrecht (Gemeinsam für Ueckermünde) wies jedoch auf eine entscheidende Voraussetzung hin: Vor einer Zusammenlegung oder einem Neustart müssten erst einmal Jugendliche gefunden werden, die überhaupt Interesse haben. Dies könnte sich als schwierig erweisen, denn bei einer Vorstellung des KiJuBeis im Greifen-Gymnasium habe keiner der Schüler Interesse gezeigt.
Der KiJuBei hatte seit seiner Gründung 2023 mit wechselndem Personal zu kämpfen. Einige Mitglieder zogen weg, andere mussten altersbedingt ausscheiden. Es gab auch Rücktritte wegen schulischer Belastung oder aufgrund von Prüfungsvorbereitungen. Auch der Torgelower Jugendbeirat sei schon einmal zu Bruch gegangen, wie Thomas Bauch-Kröhnert berichtete.
Vereinbart wurde, die Diskussion zum Neustart eines Kinder- und Jugendbeirats in die Stadtvertreterfraktionen zu geben. Die Suche nach einer tragfähigen Lösung für die Jugendbeteiligung in Ueckermünde geht also weiter – doch ohne interessierte Jugendliche wird jede Idee zum Scheitern verurteilt sein.



