Eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung ist verstorben
Mit Jesse Jackson ist eine der prägendsten Stimmen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung für immer verstummt. Der Aktivist und ehemalige Präsidentschaftsanwärter starb friedlich im Kreise seiner Familie in Chicago im Alter von 84 Jahren. Über Jahrzehnte hinweg kämpfte Jackson unermüdlich für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus.
Weggefährte von Martin Luther King
Jesse Jackson wurde 1941 in Greenville, South Carolina, geboren und begann seine politische Karriere in den 1960er Jahren an der Seite des legendären Bürgerrechtlers Martin Luther King. Er war mit King in Memphis, als dieser 1968 ermordet wurde – ein Ereignis, das Jackson nachhaltig prägte und seinen Kampf für Gerechtigkeit weiter intensivierte.
In einem Statement seiner Stiftung Rainbow Push Coalition heißt es: „Sein unerschütterliches Engagement für Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte trug dazu bei, eine globale Bewegung für Freiheit und Würde zu formen.“ Die Familie betonte weiter: „Unser Vater war ein dienender Anführer – nicht nur für unsere Familie, sondern für die Unterdrückten, die Stimmlosen und die Übersehenen auf der ganzen Welt.“
Politische Ambitionen und historische Kandidaturen
Jackson erlangte weltweite Bekanntheit durch seine beiden Bewerbungen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei in den Jahren 1984 und 1988. Als erster schwarzer Politiker, der ernsthaft um die Nominierung kämpfte, war er seiner Zeit weit voraus und galt zunächst als Außenseiter.
Seine bemerkenswerten Erfolge:
- 1984 erreichte er bei den Vorwahlen einen respektablen dritten Platz
- 1988 schloss er als Zweitplatzierter ab und wurde zum ernstzunehmenden Bewerber
- Seine emotionalen Reden bewegten Millionen von Menschen
Bei seiner berühmten Rede auf dem Demokraten-Parteitag 1988 sagte Jackson: „Amerika ist keine Decke, die aus einem Faden, einer Farbe und einem Stoff gewebt ist. Sie können es schaffen. Manchmal wird es dunkel, aber der Morgen kommt. Geben Sie nicht auf.“
Wegbereiter für Barack Obama
Jacksons Pionierarbeit ebnete den Weg für spätere Generationen schwarzer Politiker. Erst zwanzig Jahre nach seinen Kandidaturen sollte mit Barack Obama tatsächlich ein Afroamerikaner ins Weiße Haus einziehen. In der Wahlnacht 2008 war Jackson vor laufenden Kameras zu Tränen gerührt und bezeichnete Obamas Sieg als Wiedergutmachung für alle, die in der Bürgerrechtsbewegung ihr Leben gelassen hatten.
Lebenslanges Engagement und spätere Jahre
Nach dem Ende seiner Präsidentschaftsambitionen setzte Jackson sein soziales und politisches Engagement unvermindert fort:
- Er verhandelte erfolgreich die Freilassung von Gefangenen in Konfliktgebieten
- 1997 ernannte ihn Präsident Bill Clinton zum Sondergesandten für Demokratie in Afrika
- 2000 erhielt er die Freiheitsmedaille des Präsidenten, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der USA
In seinen späteren Jahren kämpfte Jackson mit gesundheitlichen Problemen. 2017 gab er bekannt, an Parkinson erkrankt zu sein, und während der Coronavirus-Pandemie musste er 2021 nach einer Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Zuletzt litt er Berichten zufolge an einer seltenen neurologischen Erkrankung.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Weggefährten und Politiker auf der ganzen Welt äußerten sich bestürzt über Jacksons Tod. Der Bürgerrechtler Al Sharpton schrieb auf Instagram: „Ein Gigant ist nach Hause gegangen.“ Er bezeichnete Jackson als seinen Mentor, der die Nation und die Welt verändert habe.
Der britische Vize-Premierminister David Lammy beschrieb Jackson als „eine Säule der Bürgerrechtsbewegung“ und schrieb auf X: „Möge sein Vermächtnis weiterleben.“
Jesse Jackson hinterlässt seine Ehefrau Jacqueline Lavinia Brown, die er 1963 heiratete, fünf Kinder und ein bleibendes Vermächtnis als Kämpfer für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Sein Sohn Jesse Jackson Jr. war von 1995 bis 2012 Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus.



