250.000 Demonstranten in München: Iranische Diaspora protestiert gegen Mullah-Regime
250.000 bei Anti-Mullah-Demo in München

Massendemonstration in München: Iranische Diaspora protestiert gegen Mullah-Regime

Die bayerische Landeshauptstadt München erlebte am Samstag eine der größten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte. Rund 250.000 Menschen versammelten sich auf der Theresienwiese, um gegen die politische Führung im Iran zu protestieren. Die Veranstaltung fand parallel zur Münchner Sicherheitskonferenz statt und übertraf alle anderen Demonstrationen dieser Woche bei weitem.

Internationale Beteiligung und emotionale Momente

Die iranische Diaspora reiste aus zahlreichen Ländern an, darunter England, Australien, Norwegen, Frankreich und den USA. Die Theresienwiese verwandelte sich in ein Meer aus grün-weiß-roten Flaggen – der alten iranischen Flagge mit dem Löwen, wie ein Besucher erklärte. Die Demonstranten gedachten der geschätzt 36.000 getöteten Zivilisten mit mitgebrachten Fotos, hinter denen sich individuelle Schicksale verbargen.

Jürgen Stauffert (63) aus Heilbronn berichtete: "Meine Frau kommt aus dem Iran und sie weint jeden Abend. Es ist der Horror, was dort passiert. Menschen, die sich nach Freiheit sehnen einfach abzuknallen oder in die Augen zu schießen, das ist der Wahnsinn." Die Sprechchöre "Weg, weg, weg – die Mullahs müssen weg" hallten über den Platz, begleitet von Trommeln und Pfiffen.

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Reza Pahlavi als Hoffnungsträger

Zur Demonstration aufgerufen hatte Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs von Persien, gemeinsam mit dem Verein Munich Circle e.V. Der im US-Exil lebende Pahlavi erschien gegen 16 Uhr auf der Bühne und wurde von den Teilnehmern begeistert empfangen. In seiner Rede auf Farsi und Englisch forderte er:

  • Freiheit für alle Geschlechter im Iran, insbesondere für Frauen
  • Ein Ende der Verhandlungen freier Länder mit dem alten Regime
  • Den Sturz des islamischen Regimes

Vahdan Najian (61), die seit 48 Jahren in Deutschland lebt, erklärte: "Über 100.000 Leute stecken noch in den Gefängnissen im Iran – werden täglich gefoltert und getötet. Unsere Hoffnungen ruhen auf Reza Pahlavi. Er kann faire Wahlen bringen. Wir wollen einen säkularen Staat."

Kritik und Gegenstimmen

Nicht alle Exil-Iraner unterstützen Pahlavi uneingeschränkt. Bereits am Freitag hatte eine kleinere Demonstration mit etwa 3.000 Teilnehmern am Odeonsplatz stattgefunden, bei der Kritik an Pahlavi geäußert wurde. Die Demonstranten bemängelten unter anderem, dass er sich nicht von den Menschenrechtsverletzungen seines Vaters distanziere, der 1979 gestürzt wurde.

Hamed Danyali (35), der aus Manchester angereist war, betonte: "80 von 90 Millionen Leuten im Iran lehnen das Regime ab – sie nehmen diese Leute als Geiseln. Aber ohne fremde Hilfe von außen schaffen wir es nicht." Viele Demonstranten trugen daher neben iranischen auch deutsche und amerikanische Flaggen.

Parallele Anti-Siko-Demonstration

Wenige U-Bahn-Stationen entfernt fand am Marienplatz die traditionelle Anti-Siko-Demonstration statt. Diese war mit etwa 2.000 Teilnehmern deutlich schwächer besucht als im Vorjahr. Die geplante Menschenkette zwischen Stachus und Marienplatz kam mangels Beteiligung nicht zustande.

Michele Dermastia (26), Stadtratskandidatin für Die Linke, erklärte ihre Motivation: "Ich laufe hier im Jugendblock mit, weil wir überhaupt keinen Bock auf Wehrpflicht haben. Mein Kind und meine jüngeren Brüder könnten davon betroffen sein." Sie kritisierte die Sicherheitskonferenz grundsätzlich und forderte: "Die Siko soll weg aus München. Wir brauchen nicht immer mehr Waffen und immer mehr Sicherheit – wir brauchen vor allem mehr Frieden."

Friedlicher Verlauf und polizeiliche Einschätzung

Trotz der enormen Menschenmengen verlief die Demonstration auf der Theresienwiese friedlich. Die Polizei sprach von einer "sehr friedlichen Versammlung" und meldete zum Zeitpunkt der Pressekonferenz um 17 Uhr keine Festnahmen. Lediglich an den umliegenden U-Bahn-Stationen kam es zu Wartezeiten und größeren Menschenansammlungen, als Zehntausende den Platz verließen.

Die EU hatte erst kürzlich die iranischen Revolutionsgarden als terroristische Organisation eingestuft. Ein Sprecher auf der Bühne warnte: "Fragen sie sich, was ein Regime, das seine eigenen Frauen und Kinder erschießt, mit einer Atombombe macht."

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