EU-Asylagentur verzeichnet erneuten deutlichen Rückgang der Schutzgesuche
Die Zahl der in Europa gestellten Asylanträge ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gesunken. Laut dem aktuellen Jahresbericht der EU-Asylagentur EUAA mit Sitz in Malta wurden in den 27 EU-Staaten sowie in Norwegen und der Schweiz insgesamt rund 822.000 Anträge auf internationalen Schutz registriert. Dies entspricht einem Rückgang um etwa ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr, konkret um 19 Prozent.
Deutschland bleibt Zielland Nummer eins trotz starkem Einbruch
Mit 163.000 Asylanträgen behauptet Deutschland weiterhin die Spitzenposition unter den europäischen Zielländern. Allerdings verzeichnet die Bundesrepublik einen besonders deutlichen Rückgang: Die Zahl der Schutzgesuche sank im Vergleich zu 2024 um ein Drittel, was einem Minus von 31 Prozent entspricht. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits in den Vorjahren zu beobachten war.
Die nun veröffentlichten EUAA-Zahlen weichen nur geringfügig von den offiziellen Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ab, das für 2025 etwa 168.000 Anträge zählte, darunter rund 113.000 Erstanträge. Der Bericht der europäischen Asylagentur berücksichtigt sowohl Erst- als auch Folgeanträge, ohne diese jedoch detailliert aufzuschlüsseln.
Veränderte Herkunftsländer prägen die europäische Asyllandschaft
Als Hauptgrund für den gesamteuropäischen Rückgang nennt der EUAA-Bericht vor allem deutlich weniger Asylanträge von Menschen aus Syrien. Waren es 2024 noch 151.000 syrische Schutzsuchende, sank ihre Zahl 2025 auf 42.000. Experten führen dies auf die politischen Entwicklungen in Syrien zurück, wo seit dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad Ende 2024 Hoffnungen auf eine bessere Zukunft gewachsen sind.
Ebenfalls rückläufig waren die Antragszahlen aus Bangladesch (37.000) und der Türkei (33.000). Demgegenüber stieg die Zahl der Asylgesuche von Menschen aus Afghanistan auf 117.000 und aus Venezuela auf 91.000. Für den Anstieg bei venezolanischen Antragstellern machen Experten unter anderem restriktivere Einwanderungsregeln der US-Regierung sowie verschärfte Visabestimmungen in lateinamerikanischen Nachbarstaaten verantwortlich.
Europäische Verteilung bleibt ungleichmäßig
Neben Deutschland verzeichneten auch andere wichtige Aufnahmeländer Rückgänge bei den Asylanträgen. Spanien registrierte 143.000 Anträge, Italien 134.000 und Griechenland 62.000 – jeweils etwa 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Stabil blieben hingegen die Zahlen in Frankreich mit 152.000 Asylgesuchen.
Insgesamt entfielen 80 Prozent aller in Europa gestellten Asylanträge auf diese fünf Länder: Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland. Diese ungleiche Verteilung stellt nach wie vor eine Herausforderung für die europäische Asylpolitik dar und unterstreicht die Notwendigkeit einer gerechteren Lastenteilung zwischen den Mitgliedstaaten.
Die Entwicklung im ersten Halbjahr 2025 hatte zunächst darauf hingedeutet, dass Deutschland seine Spitzenposition verlieren könnte. Der neue Jahresbericht zeigt jedoch, dass sich dieser Trend nicht fortgesetzt hat. Trotz des deutlichen Rückgangs bleibt die Bundesrepublik das wichtigste Zielland für Schutzsuchende in Europa.



