Überraschung bei den Parteispenden: Kaum bekannte Regionalpartei landet auf Platz drei
Parteispenden bleiben in Deutschland ein kontroverses Thema. Kritiker befürchten politische Einflussnahme durch finanzstarke Geldgeber und eine mögliche Käuflichkeit demokratischer Prozesse. Vor dem Verwaltungsgericht Berlin haben Aktivisten von Lobbycontrol kürzlich für strengere Kontrollen protestiert. Die aktuellen Zahlen des Bundestagspräsidiums für das Jahr 2025 offenbaren nun einige überraschende Entwicklungen im Spendenwesen der politischen Landschaft.
Union führt mit deutlichem Abstand bei Großspenden
Aus der offiziellen Auflistung geht hervor, dass die Union insgesamt die meisten Großspenden erhalten hat. Alle Einzelspenden über 35.000 Euro müssen dem Bundestagspräsidium unverzüglich gemeldet werden. Die CDU kam dabei auf 69 solcher Großspenden mit einer Gesamtsumme von 6.704.521 Euro. Die höchste Einzelspende betrug 500.000 Euro, während die niedrigste noch als Großspende geltende Zahlung bei 35.001 Euro lag.
Die CSU erhielt elf Großspenden, die zwischen 36.000 und 272.000 Euro lagen und sich zu einer Summe von 1.244.000 Euro addierten. Insgesamt flossen somit Großspenden in Höhe von 7.948.521 Euro an die Unionsparteien. Damit liegt die Union deutlich vor allen anderen politischen Gruppierungen.
AfD mit spektakulärer Einzelspende auf Platz zwei
Hinter der Union folgt die AfD mit einer Gesamtsumme von 5.158.646,62 Euro aus Großspenden. Bemerkenswert ist dabei, dass die Partei für diesen Betrag lediglich sieben einzelne Großspenden benötigte. Zwei dieser Spenden durchbrachen sogar die Millionen-Marke, während eine weitere knapp darunter blieb.
Die spektakulärste Einzelspende des Jahres 2025 über alle Parteien hinweg ging mit 2.349.906,62 Euro an die AfD. Diese Zahlung des Möbel-Milliardärs Kurt Krieger hatte bereits für erhebliches Aufsehen gesorgt und die Diskussion über Großspenden neu entfacht.
FDP und überraschender Dritter: Der Südschleswigsche Wählerverband
Die FDP erhielt mit 27 Großspenden die zweitmeisten aller Parteien. Die Beträge bewegten sich zwischen 40.000 und 500.000 Euro und summierten sich auf 3.213.475,14 Euro. Damit belegt die FDP den vierten Platz in der Gesamtwertung.
Die eigentliche Überraschung folgt jedoch auf Platz drei: Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), eine Regionalpartei, die die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein vertritt und in weiten Teilen Deutschlands kaum bekannt ist. Die Partei erhielt insgesamt 22 Zahlungen vom dänischen Kulturministerium, die sich jeweils zwischen 45.000 und 46.000 Euro bewegten und auf einen Gesamtbetrag von rund einer Million Euro kamen.
Weitere Parteien im Spendenranking
Die Grünen kamen im vergangenen Jahr auf 17 Großspenden, die von 35.001 bis 275.000 Euro reichten und sich zu 1.165.001 Euro summierten. Die SPD erhielt sieben Großspenden, darunter eine Millionen-Spende von 1,5 Millionen Euro von der „Media Force GmbH“. Insgesamt beliefen sich die Großspenden an die Sozialdemokraten auf 2.340.000 Euro.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verzeichnete drei Großspenden, wobei die größte mit 2.048.445,21 Euro die zweithöchste Einzelspende des Jahres 2025 darstellte. Die Gesamtsumme beim BSW betrug 2.135.766,26 Euro.
Kleinere Parteien mit einzelnen Großspenden
Die Volt-Partei erhielt zwei Großspenden in Höhe von 75.000 und 100.000 Euro. Bei den Freien Wählern gingen ebenfalls zwei Großspenden ein (52.000 und 60.000 Euro), wobei der größere Betrag interessanterweise vom Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger an die eigene Partei gespendet wurde.
Die Linke (300.000 Euro), die DKP (40.000 Euro) und die „Gerechtigkeitspartei - Team Todenhöfer“ (116.401,02 Euro, gespendet von Gründer Jürgen Todenhöfer) erhielten jeweils eine einzelne Großspende.
Die Zahlen verdeutlichen die komplexe Landschaft der Parteienfinanzierung in Deutschland und werfen Fragen nach Transparenz und möglichem Einfluss durch Großspender auf. Während etablierte Parteien erwartungsgemäß hohe Summen erhalten, zeigt der Erfolg des SSW, dass auch kleinere, regionale Gruppierungen bedeutende finanzielle Unterstützung erhalten können.



