CDU-Parteitag in Stuttgart: Merz als Vorsitzender bestätigt und Merkel kehrt zurück
Der CDU-Parteitag in Stuttgart stand ganz im Zeichen der politischen Kontinuität und des Aufbruchs. Mit überwältigenden 91,17 Prozent der Delegiertenstimmen wurde Bundeskanzler Friedrich Merz in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt. Die Zustimmung erfolgte nach einer rund 75-minütigen Rede, die von den Anwesenden mit mehr als zehnminütigem Applaus gewürdigt wurde. Sogar die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel klatschte mit, die erstmals seit dem Jahr 2019 wieder leibhaftig bei einem CDU-Parteitag anwesend war.
Historischer Moment: Merkels Rückkehr zum Parteitag
Die Anwesenheit Angela Merkels sorgte für besondere Aufmerksamkeit unter den rund 1000 Delegierten. „Hast Du sie gesehen?“ war die häufigste Frage zu Beginn des Treffens. Die ehemalige CDU-Vorsitzende und langjährige Bundeskanzlerin wurde mit einem lang anhaltenden Applaus empfangen. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte sie persönlich mit den Worten: „An dieser Stelle begrüße ich die ehemalige Vorsitzende der CDU Deutschlands, unsere langjährige Bundeskanzlerin, Angela Merkel. Liebe Angela, herzlich willkommen.“
Merz als Außenkanzler: Fokus auf internationale Herausforderungen
In seiner programmatischen Rede setzte Friedrich Merz eindeutige außenpolitische Akzente. Er sprach ausführlich über die Herausforderungen in einer Welt, in der „die regelbasierte Ordnung so nicht mehr existiert“. Thematisiert wurden die neue Weltordnung, das transatlantische Verhältnis, der Krieg in der Ukraine sowie die daraus resultierenden Bedrohungen für Sicherheit und Wirtschaft. Der Anteil der Rede, der sich mit innenpolitischen Themen wie dem Sozialstaat, dem Verhältnis zur SPD und der Abgrenzung zur AfD befasste, fiel vergleichsweise knapp aus, war jedoch in der Aussage klar und deutlich.
Merz betonte entschieden: „Ich habe abschließend entschieden, die Zustimmung zu unserer Politik ausschließlich in der politischen Mitte unseres Landes zu suchen.“ Zur AfD sagte er unmissverständlich: „Man werde es nicht zulassen, dass diese Leute von der sogenannten 'Alternative für Deutschland' unser Land ruinieren. Diese Partei kann kein Partner für uns sein.“
Landtagswahlen im Fokus: Optimismus und Unterstützung
Ein zentrales Thema des Parteitags waren die anstehenden Landtagswahlen. Die CDU blickt äußerst optimistisch auf die Wahlen in Baden-Württemberg am 8. März und in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg tritt Manuel Hagel als Spitzenkandidat an und erhielt auf dem Parteitag deutlichen Rückenwind. Von den Delegierten bekam er viel Applaus für seine Rede, und Plakate mit der Aufschrift „Hagel 2026 – Neue Kraft fürs Land“ waren allgegenwärtig.
Friedrich Merz sicherte Hagel seine Unterstützung zu: „Wir unterstützen Dich auf diesem Weg und tun alles, um nach 15 Jahren wieder in die Staatskanzlei einzuziehen.“ Für Rheinland-Pfalz, wo Gordon Schnieder als CDU-Spitzenkandidat antritt, sieht Merz nach 34 Jahren die Chance auf einen Wahlsieg: „Wir werden diese Wahl gewinnen.“
Innere Debatten und Kursbestimmung
Der Parteitag diente auch der inneren Kursbestimmung. Nach kontroversen Debatten über Teilzeit, Zahnarztkosten und Fehltage in den vergangenen Wochen präsentierte sich die CDU in Stuttgart wieder geschlossen. Der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, äußerte sich entschieden zu den geplanten Sozialreformen der schwarz-roten Koalition: „Union und SPD sagten zwar beide, für Reformen des Sozialstaats zu sein. Aber teilweise meinen wir doch was ziemlich Verschiedenes.“
Generalsekretär Carsten Linnemann bezeichnete Merz' Rede als „Glanzleistung“, und viele CDU-Mitglieder sprachen von einer „großen Rede“. Die deutliche Bestätigung Merz' im Amt und die Rückkehr Merkels symbolisieren eine Phase der Konsolidierung für die Christdemokraten, die in diesem Jahr mit fünf Landtagswahlen konfrontiert sind – darunter in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, wo laut Umfragen die AfD vorne liegt.



