Ex-CSU-Chef Huber wirft Söder fehlenden Mannschaftsgeist und widersprüchliche Politik vor
Huber kritisiert Söder: Fehlender Mannschaftsgeist und Widersprüche

Ehemaliger CSU-Chef Erwin Huber attackiert aktuellen Parteivorsitzenden Markus Söder

Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber hat in einem selten deutlichen Interview massive Kritik an seinem Nachfolger im Parteivorsitz, Markus Söder, geäußert. Huber, der in der CSU als intellektuelle Instanz gilt, wirft Söder insbesondere fehlenden Mannschaftsgeist in der Bundespolitik vor.

Kritik an Söders Vorgehen in Berlin

In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel erklärte Huber: "Söder sollte endlich lernen, konstruktiv im Team Merz zu spielen, statt von der Seitenlinie falsche Einwürfe zu fabrizieren." Der 79-jährige Politiker bezog sich dabei auf Söders jüngste öffentliche Forderungen nach mehr Reformtempo, die er unter anderem in einem Interview des Stern geäußert hatte.

Gleichzeitig kritisiert Huber die inhaltlichen Widersprüche in Söders Position: "Zusätzlich fordert er trotz hoher Verschuldung saftige Mehrausgaben und eine unrealistische Steuerpolitik, die weder konzeptionell durchdacht noch durchgerechnet ist." Diese Forderungen stünden im direkten Gegensatz zu den Vorschlägen von Finanzminister Lars Klingbeil vom Koalitionspartner SPD.

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Doppelstrategie in Krisenzeiten nicht möglich

Huber übte auch Kritik an Söders unterschiedlichem Vorgehen auf Bundes- und Landesebene: "In Bayern spart er für den ausgeglichenen Haushalt zulasten von Familien, Pflege, Besoldung." Dafür nehme Söder Ärger in Kauf, während er in Berlin als Koalitionspartner knappe Fristen setze und Reformschritte blockiere.

Der ehemalige CSU-Chef warnte ausdrücklich vor einer möglichen Doppelstrategie: "Sollte Söder eine Doppelstrategie vorschweben – ein Standbein in der Koalition und ein Spielbein in der Opposition, sage ich: Das geht nicht in Zeiten multipler Krisen." Die aktuellen Zeiten seien zu ernst und der Vertrauensverlust der Koalition zu hoch für politische Extratouren.

Fehlende Konzepte und politische Positionierung

Huber stellte grundsätzliche Fragen zur politischen Ausrichtung der CSU unter Söder: "Wo ist ein Steuerprogramm der CSU? Wo ein Konzept zu Rente und Gesundheit?" Diese mangelnde programmatische Klarheit kritisiert der ehemalige Parteivorsitzende scharf.

Die CSU wollte die deutliche Kritik ihres ehemaligen Vorsitzenden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht kommentieren. Huber war in den Jahren 2007 und 2008 als Nachfolger von Edmund Stoiber CSU-Parteivorsitzender, bevor Horst Seehofer das Amt übernahm.

Huber als unabhängige Stimme in der CSU

Erwin Huber gilt seit langem als kritische Stimme innerhalb der CSU. Zuletzt hatte er für Aufsehen gesorgt, als er die Nähe zu den bayerischen Grünen suchte und bei deren Fraktionsklausur auftrat. Damals hatte er Söder bereits für dessen "serielles Grünen-Bashing" kritisiert.

Die aktuelle Kritik Hubers fällt jedoch besonders scharf aus und betrifft zentrale Aspekte von Söders politischem Stil und inhaltlicher Ausrichtung. Sie zeigt deutliche Differenzen innerhalb der Christlich-Sozialen Union auf, die über persönliche Meinungsverschiedenheiten hinausgehen und grundsätzliche Fragen der politischen Strategie betreffen.

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