Die angespannte Begegnung zwischen Merz und Merkel beim CDU-Parteitag
Beim 38. Bundesparteitag der CDU in der Stuttgarter Messehalle wurde das angespannte Verhältnis zwischen Parteichef Friedrich Merz und der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich sichtbar. Die Altkanzlerin, die seit Jahren nicht mehr physisch an einem Parteitag teilgenommen hatte, sorgte für unerwartete Aufmerksamkeit und Applaus, was Merz zu einer kurzen Intervention veranlasste.
Ein minimaler Willkommensgruß mit viel Symbolkraft
Friedrich Merz ließ dem stürmischen Applaus für Angela Merkel zunächst etwa 50 Sekunden freien Lauf, bevor er eingriff. In seiner Begrüßung bezeichnete er sie als eine von „vielen treuen Wegbegleitern“ aus der Union und begrüßte sie mit den knappen Worten: „An erster Stelle begrüße ich die ehemalige Vorsitzende der CDU Deutschlands, unsere langjährige Bundeskanzlerin, Angela Merkel. Liebe Angela, herzlich willkommen.“ Das „herzlich willkommen“ ging bereits im anhaltenden Beifall unter und wurde von vielen Beobachtern als das absolute Minimum an Höflichkeit interpretiert.
Diese zurückhaltende Begrüßung spiegelt die historisch belastete Beziehung zwischen den beiden Politiker wider. Merkel hatte Merz im Jahr 2002 in einem parteiinternen Machtkampf aus dem Fraktionsvorsitz gedrängt, was ihn zu einer jahrelangen Auszeit von der aktiven Politik zwang. Seitdem gilt das Verhältnis als nachhaltig gestört.
Politische Differenzen und öffentliche Kritik
Angela Merkel hat Friedrich Merz in ihrer Rolle als Oppositionsführerin und später als Bundeskanzlerin mehrfach öffentlich kritisiert. Besonders deutlich wurde dies bei ihrer Bewertung des Migrationsbeschlusses der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, der mit den Stimmen der AfD durchgesetzt wurde. Merkel bezeichnete diesen Schritt als falsch und äußerte sich auch kritisch zur Zurückweisung von Migranten an den deutschen Grenzen.
Bei der Wahl von Merz zum Bundeskanzler im Mai zeigte sich die Distanz erneut: Nachdem der erste Wahlgang gescheitert war, verließ Merkel vorzeitig den Bundestag und nahm nicht an der Vereidigung des Kabinetts teil. Ihre Absage zur Feier des 70. Geburtstags von Merz im November des vergangenen Jahres mit Verweis auf eine Israel-Reise unterstrich die anhaltende Spannung.
Die überraschende Anwesenheit der Altkanzlerin
Die Teilnahme von Angela Merkel am Parteitag in Stuttgart kam überraschend. Zuletzt hatte die 71-Jährige im Jahr 2019 in Leipzig physisch an einem CDU-Bundesparteitag teilgenommen. Die Einladungen zu den Parteitagen in den Jahren 2022, 2024 und 2025 hatte sie stets abgelehnt und dabei ihr „nachamtliches Verständnis“ betont, grundsätzlich nicht an tagesaktuellen Ereignissen teilzunehmen.
Auf die Frage, ob sich diese Haltung nun geändert habe, erklärte ihr Büro knapp: „Nein, die Ausnahme bestätigt die Regel.“ Dennoch nutzte Merkel die Gelegenheit für mehrere symbolträchtige Auftritte: Beim traditionellen Gottesdienst am Morgen saß sie mit vier Plätzen Abstand zu Merz in der ersten Reihe und sprach ihn beim Verlassen der Kirche kurz an.
Die Rede von Merz und die Reaktion der Altkanzlerin
In seiner großen Parteitagsrede erwähnte Friedrich Merz Angela Merkel nur beiläufig in einem einzigen Satz, quasi als Anhängsel des früheren Kanzlers Helmut Kohl: „Die Architekten der Wiedervereinigung, allen voran natürlich Helmut Kohl, kamen aus unserer Partei, aus der CDU. Angela Merkel. Du warst 16 Jahre lang Kanzlerin und hast diese Einheit geradezu personifiziert.“ Mehr Würdigung erhielt die langjährige Regierungschefin nicht.
Trotz dieser knappen Erwähnung beteiligte sich Angela Merkel an den mehr als zehnminütigen stehenden Ovationen für Merz und klatschte respektvoll mit. Nach dem Gottesdienst nahm sie sich sogar Zeit für Selfies mit Parteimitgliedern, was die ambivalente Atmosphäre des Tages unterstrich.
Die Begegnung in Stuttgart zeigt deutlich, dass die politischen und persönlichen Differenzen zwischen Friedrich Merz und Angela Merkel nach wie vor bestehen, auch wenn beide in der Öffentlichkeit eine gewisse professionelle Distanz wahren.



