Grünen-Spitzenpolitiker attackiert eigenen Nachwuchs scharf
Frankfurt/Main – Innerparteiliche Konflikte bei den Grünen erreichen einen neuen Höhepunkt. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (50, Grüne) hat in einem bemerkenswert scharfen Statement die Grüne Jugend kritisiert und deren Umgang mit Spitzenkandidat Cem Özdemir als „respektlos“ und „grotesk“ bezeichnet.
Stillhalteabkommen gebrochen
Der Auslöser für Nouripours Wut: Noch während der heißen Phase des Wahlkampfs in Baden-Württemberg, als Özdemir um den Sieg bangte, meldete sich die Grüne Jugend in Berlin mit scharfer Kritik zu Wort. Nachwuchs-Chef Luis Bobga (23) warf Özdemir öffentlich vor, sich nicht genug für die grüne Sache einzusetzen und keine „grüne Politik“ zu machen.
„Hilfreich ist es nicht, wenn da dazwischen geschossen wird, einfach mittendrin“, erklärte Nouripour gegenüber BILD. Besonders pikant: Die Grünen hatten eigentlich ein Stillhalteabkommen vereinbart, um sich im Wahlkampf nicht gegenseitig zu beschädigen. Dieser wird jedoch gerade in den anstehenden Kommunalwahlen in Hessen am 15. März und der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März erneut benötigt.
Persönliche Verbindung zu Özdemir
Nouripour verteidigte Özdemir leidenschaftlich: „Cem Özdemir ist ein Grund, warum ich hier heute überhaupt stehe. Hätte ich ihn nicht im Fernsehen gesehen, 1993/94 – ich hätte gar nicht gemerkt, dass ich überhaupt in die Politik kann.“ Der Bundestagsvizepräsident betonte, dass Özdemir „unglaubliche Pionierarbeit“ geleistet habe, besonders für Menschen, die nicht blond und blauäugig seien in Deutschland.
Der respektlose Umgang mit Özdemir nach einem Wahlkampf, in dem dieser kontinuierlich über Klimaschutz gesprochen habe, sei für Nouripour „grotesk“. Dabei handle es sich nicht um einen Einzelfall: Schon die ehemalige Nachwuchs-Chefin Jette Nietzard (27) sei durch Pöbeleien und Skandale statt durch inhaltliche Debatten aufgefallen.
Appell an den Nachwuchs
Trotz seiner scharfen Kritik würdigte Nouripour auch positive Aspekte der Grünen Jugend. In Baden-Württemberg habe der Nachwuchs einen „super Wahlkampf“ gemacht, und sowohl in Hessen als auch in Frankfurt gebe es junge Kandidaten für Kommunalparlamente, für die die Partei dankbar sei.
Dennoch warnte Nouripour: „Mit dem Raushauen von Parolen nimmt der Nachwuchs keinen Einfluss auf die Politik der Grünen.“ Zwar sei er froh über die Existenz einer Jugendorganisation, und diese dürften auch mal über die Stränge schlagen. Aber: „Diese permanente Verweigerung, sich mit der Realität auseinanderzusetzen, das hilft niemandem.“
Die Partei habe durch einzelne lautstarke Mitglieder der Jugendorganisation immer wieder Schaden genommen. Nouripour forderte stattdessen echte Politik mit echten Lösungen für die Menschen, die mit dem aktuellen „Gejammer“ nichts zu tun habe.



