Nach Wahl-Debakel in Baden-Württemberg: SPD-Jungpolitiker Robin Mesarosch rechnet mit seiner Partei ab
SPD-Jungpolitiker zerlegt Partei nach Wahl-Debakel in BaWü

Nach historischem Wahl-Debakel: SPD-Jungpolitiker rechnet öffentlich mit seiner Partei ab

Die Genossen haben sich nach dem verheerenden Wahlergebnis in Baden-Württemberg eigentlich einen Maulkorb verordnet, um den anstehenden Wahlkampf in Rheinland-Pfalz nicht zu gefährden. Doch der SPD-Jungpolitiker Robin Mesarosch (34), der bis 2025 noch im Bundestag saß, hält sich nicht an diese stillschweigende Vereinbarung. In einem emotionalen Instagram-Video vor seinen 119.000 Followern – das sind 5.000 mehr als Vizekanzler Lars Klingbeil hat – zerlegt er seine eigene Partei schonungslos.

„Ergebnis, für das es keine Worte gibt“

„Meine Partei hat am Sonntag ein Ergebnis eingefahren, für das es keine Worte gibt“, stellt Mesarosch unmissverständlich klar. Der Politiker aus der südlichen Hälfte Baden-Württembergs macht die Dimension der Niederlage mit einem drastischen Vergleich deutlich: „In der Region, in der ich wohne, leben ungefähr 4,2 Millionen Menschen. Das sind mehr Einwohner als ganz Kroatien hat. Und dieses Kroatien wird die SPD in Zukunft mit gerade einmal zwei Landtagsabgeordneten vertreten. Zwei Abgeordnete für 4,2 Millionen Menschen!“

Kritik an Kommunikation und Organisation

Mesarosch beklagt, dass sich die Genossen im Ländle „den Arsch aufgerissen“ und teilweise sogar ihren Jahresurlaub geopfert hätten, um Wahlkampf zu machen – nur um dann „Ergebnisse einfahren“ zu müssen, „wie irgendwelche Spaßparteien“. Als Hauptgründe für das Debakel nennt er „miserable Kommunikation, miserable Organisation und Inhalte, die teils gut waren, aber am Ende oft zu wünschen übrig ließen“.

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Doch das sei nur die Spitze des Eisbergs, denn die Gesamtsituation sei bereits „seit Jahren unterirdisch“. Für den Jungpolitiker geht es mittlerweile um die Existenz der SPD: „Nicht mehr darum, ob man Wähler verliert – das passiert, wenn man scheiße performt.“

„Seit Jahren dieselben Fehler“

„Die Tragik ist, dass dieses Land eine Partei verlieren kann, die diesem Land so viel geben könnte, wenn man es denn nur richtig machen würde“, analysiert Mesarosch. Auf die Frage, wie es richtig ginge, antwortet er wütend: „Nicht so! Seit Jahren machen wir dieselben Fehler!“

Seiner Ansicht nach hat die SPD „gar keine Strategie, gar keine“ – „das ist so behämmert und gleichzeitig die Riesen-Chance, wenn man sich nur etwas mit Hirn anstrengt, dass es dann auch besser sein kann“.

Harte Vorwürfe gegen Landesvorstand

Besonders hart geht Mesarosch mit dem baden-württembergischen Landesvorstand ins Gericht. Zwar lobt er einige Genossen, doch dann wird er deutlich: „Da sitzen auch Leute, deren einziges Problem bei 5,5 Prozent zu sein scheint: ‚Wo bleibe ich?‘“

Die historische Schlappe habe nicht eine Person allein zu verantworten, betont er. Der baden-württembergische Generalsekretär Sascha Binder (43), der „maßgeblich und qua Amt“ den „historisch unterirdischen“ Wahlkampf geleitet habe, sei zwar am Sonntag „anständigerweise zurückgetreten“. Doch dann bricht es aus Mesarosch heraus: „Aber heute ist er plötzlich Vorsitzender der Landtagsfraktion, und das geht nicht. Das geht nicht! Wir werden seit Jahren verarscht.“

Brisante politische Verwicklungen

Die Personalie Binder ist besonders brisant, denn er war im Machtkampf um die SPD-Parteispitze Anfang 2025 einer der ersten, der die damalige Parteichefin Saskia Esken (64, SPD) öffentlich kritisiert hatte. Wenig überraschend wurde Mesaroschs Wut-Video von Esken mit einem „gefällt mir“ versehen.

Doch die Zustimmung kommt nicht nur aus den eigenen Reihen. Auch die Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr (33, SPD), Juso-Chef Philipp Türmer (30) und sogar Grünen-Chef Felix Banaszak (36) haben das Herzchen unter dem Video angeklickt. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta (39) schreibt in den Kommentaren: „Danke für Deine Ehrlichkeit. Ist nicht nur bei euch so, aber bei euch ist es besonders ausgeprägt.“

Das Video des aufgebrachten Jungpolitikers zeigt deutlich: Die innerparteilichen Konflikte der SPD sind auch nach dem Wahl-Debakel in Baden-Württemberg keineswegs beigelegt, sondern brechen nun öffentlich auf.

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