China-Schock 2.0: Warum die EU ihre Zollpolitik überdenken muss
China verdankt seine Wettbewerbsvorteile nicht nur dem technologischen Fortschritt, sondern auch staatlichen Subventionen und einer unterbewerteten Währung. Zwei Jahrzehnte nach dem WTO-Beitritt Chinas am 11. Dezember 2001 sind chinesische Unternehmen in Schlüsselbranchen wie Chemie und Automobil zu Weltmarktführern geworden und verdrängen deutsche Konzerne. Das analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, im Podcast „Economic Challenges“.
Die Ursachen des China-Schocks
Laut Hüther liegt der Kern des Problems nicht allein im technologischen Aufstieg Chinas. „Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Chinas ist eine politische“, betont er. Staatliche Subventionen und die Unterbewertung des Yuan verschaffen chinesischen Firmen unfaire Vorteile. Selbst wenn Deutschland alle wirtschaftspolitischen Hausaufgaben erledigt, reicht das laut Hüther nicht aus, um dem Druck standzuhalten.
Rürup verschärft die Analyse: Deutschland stecke in einer Multikrise. „Das traditionelle Geschäftsmodell bricht zusammen, der Alterungsschub hat eingesetzt und die demokratischen Parteien verlieren an Stärke.“ Hinzu komme eine systemische Asymmetrie: Demokratien konkurrierten mit einer gelenkten Wirtschaft, die sich marktwirtschaftlich gebe, es aber nicht sei. „In diesem tripolaren Feld wird man mit rein marktwirtschaftlichen Lösungen definitiv nicht weiterkommen“, so Rürup.
Forderungen an die EU
Die beiden Ökonomen wünschen sich von der EU eine härtere Antwort. Hüther plädiert für eine doppelte Strategie gegenüber China: Einerseits müsse Europa seine eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken, andererseits müsse es mit Zöllen und anderen Maßnahmen gegen unfaire Praktiken vorgehen. Die EU müsse ihre Zollpolitik neu denken, um die europäische Industrie zu schützen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Das ausführliche Gespräch hören Sie im Podcast „Economic Challenges“. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges finden Sie unter handelsblatt.com/global. Helfen Sie uns, unsere Podcasts weiter zu verbessern – Ihre Meinung ist uns wichtig unter handelsblatt.com/zufriedenheit.



