Die Rentenkommission hat ihren Vorschlag für eine Rentenreform vorgelegt. Das Ziel: Das Rentenniveau soll von derzeit rund 48 Prozent auf 70 Prozent des früheren Nettoeinkommens steigen. Doch dieser Plan hat seinen Preis. Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sollen von aktuell 18,6 Prozent auf bis zu 22,3 Prozent im Jahr 2035 steigen. Das bedeutet für Millionen Arbeitnehmer eine deutliche Mehrbelastung.
Beitragssprung auf 22,3 Prozent geplant
Laut dem Bericht der Rentenkommission, der BILD vorliegt, soll der Beitragssatz schrittweise angehoben werden. Bis 2030 soll er auf 20,5 Prozent steigen, bis 2035 auf 22,3 Prozent. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Beiträge jeweils zur Hälfte. Ein Durchschnittsverdiener mit einem Bruttogehalt von 3.500 Euro würde demnach ab 2035 rund 65 Euro mehr im Monat zahlen als heute.
Kritik von Arbeitgebern und Gewerkschaften
Die Pläne stoßen auf gemischte Reaktionen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnte: „Eine solche Beitragserhöhung belastet die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und gefährdet Arbeitsplätze.“ Die Gewerkschaften hingegen begrüßen das höhere Rentenniveau, fordern aber eine stärkere Beteiligung des Staates. Verdi-Chef Frank Werneke sagte: „Die Lasten dürfen nicht allein auf die Beitragszahler abgewälzt werden. Der Bund muss mehr Steuergeld in die Rentenkasse schießen.“
Auswirkungen auf die jüngere Generation
Besonders junge Arbeitnehmer sind von den höheren Beiträgen betroffen. Ein 30-Jähriger, der bis zur Rente 35 Jahre lang den höheren Satz zahlt, würde insgesamt rund 27.000 Euro mehr einzahlen. Ob er später tatsächlich eine höhere Rente erhält, ist ungewiss. Die Kommission schlägt daher vor, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Konkret: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, sollen auch die Beitragsjahre um ein Jahr verlängert werden.
Reaktionen aus der Politik
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zeigte sich offen für die Vorschläge. „Wir müssen langfristig für stabile Renten sorgen. Die Kommission hat einen Fahrplan vorgelegt, den wir nun sorgfältig prüfen werden.“ Die FDP hingegen lehnt höhere Beiträge ab. Rentenexperte Johannes Vogel erklärte: „Die Rentenversicherung muss reformiert werden, aber nicht durch immer höhere Belastungen der Arbeitnehmer. Wir brauchen eine kapitalgedeckte Säule.“
Was bedeutet das für die Rente?
Trotz der höheren Beiträge ist das Rentenniveau von 70 Prozent nicht garantiert. Die Kommission rechnet mit einem Abschlag von 0,3 Prozentpunkten pro Jahr, wenn die Löhne stärker steigen als erwartet. Zudem hängt die tatsächliche Rente von der Anzahl der Beitragsjahre und der Höhe der Beiträge ab. Die Bundesregierung will bis zum Herbst einen Gesetzentwurf vorlegen. Bis dahin bleibt der Vorschlag der Kommission eine Grundlage für die politische Debatte.



