Experte bezweifelt Russlands Friedensbemühungen bei Ukraine-Gesprächen
Der renommierte Politikwissenschaftler und Sicherheitsexperte Nico Lange äußert sich äußerst skeptisch zu den aktuellen Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland. In einem Interview mit dem Inforadio des RBB betonte er, dass es derzeit keinerlei ernsthafte Anstrengungen der russischen Führung gebe, einen dauerhaften Frieden für die Ukraine zu erreichen.
Verhandlungen in Genf ohne greifbare Ergebnisse
In der Schweizer Stadt Genf finden derzeit Gespräche über ein mögliches Ende des bereits vier Jahre andauernden Ukraine-Krieges statt. Der erste von zwei geplanten Verhandlungstagen endete am Dienstag jedoch ohne konkrete Fortschritte oder Vereinbarungen. Die Gespräche werden unter Vermittlung des US-Sondergesandten Steve Witkoff geführt und folgen auf ähnliche Verhandlungsrunden in Abu Dhabi.
„Die Ukraine ist schon seit März 2025 zu einem bedingungslosen Waffenstillstand bereit an den jetzigen Frontlinien“, erklärte Lange deutlich. „Es liegt aber an Putin und an Russland und solange man da keinen Druck macht, wird es nicht funktionieren.“ Der Experte widerlegt damit die verbreitete Annahme, dass diplomatische Gespräche allein ausreichen könnten.
Kritik an der Vermittlerrolle der USA
Lange, der als Fachmann für die Münchner Sicherheitskonferenz tätig ist, übt deutliche Kritik an der aktuellen Verhandlungssituation. „Diese Verhandlungen in Abu Dhabi und jetzt in Genf sind ja Verhandlungen in einer Schieflage“, analysiert er. „Die USA begeben sich in die Rolle eines Vermittlers, aber wie wollen sie denn zwischen jemandem, der einen Angriffskrieg führt, und dem Opfer dieses Angriffskrieges vermitteln?“
Der Sicherheitsexperte sieht in dieser Konstellation ein grundlegendes Problem, das eine ausgewogene Verhandlungsposition unmöglich mache. Seiner Einschätzung nach fehlt es an der notwendigen Druckausübung auf die russische Führung, um substantielle Zugeständnisse zu erreichen.
Forderung nach militärischer Stärkung der Ukraine
Langes zentrale Forderung lautet: Die Ukraine muss militärisch deutlich besser ausgestattet werden, um Verhandlungserfolge zu ermöglichen. „Ja, wir müssen Putin zum Frieden zurückbringen“, stellt er klar. „Das kommt nicht durch ein Wunder und auch nicht dadurch, dass wir zuschauen, ob Herr Witkoff oder Herr Trump das für uns erledigen.“
Der Experte warnt davor, dass bestimmte Akteure primär wirtschaftliche Interessen verfolgen würden. „Die wollen das Problem aus dem Weg schaffen, weil sie denken, man kann irgendwelche Milliarden mit Russland verdienen.“ Ein echter Frieden sei seiner Überzeugung nach nur unter einer Bedingung möglich: „Wenn wir die Ukraine so ausstatten, dass sie sich militärisch gegen Russland durchsetzen können und wenn wir aufhören, Putins Kriegskasse zu füllen.“
Hintergrund des anhaltenden Konflikts
Seit Februar 2022 wehrt sich die Ukraine mit umfangreicher westlicher Unterstützung gegen die russische Invasion. US-Präsident Donald Trump versucht aktuell, beide Seiten zu einem Kriegsende zu bewegen. Doch Lange bleibt bei seiner skeptischen Einschätzung: „Es ist ein Mythos zu glauben, man müsste nur mal mit Putin reden und dann würde das schon.“
Der Sicherheitsexperte betont die Notwendigkeit einer klaren Strategie, die auf realer Stärke und wirksamem Druck basiert, anstatt auf vagen Hoffnungen auf diplomatische Wunderlösungen.



